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WIE KANN ICH HELFEN > Jahresbericht

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Ein unvergessliches Jahr in Rumänien

"Schreibe über dein Jahr in Rumänien - deine Anfänge, Höhen und Tiefen."

Ich will mich bemühen dies zu schaffen, denn noch nie zu vor habe ich ein Jahr so intensiv erlebt. Noch nie habe ich so intensiv gelebt.

Nach der Matura wusste ich, dass ich raus will aus Österreich, weg von der geborgenen Umgebung, ein Jahr in dem ich mich anderen widmen will.

Schließlich gab mir meine Mama den Tipp, es doch einmal bei Concordia zu versuchen. Und sie hatte recht, wozu nach Indien fahren, wenn es auch noch, den mir unbekannten, Osten Europas kennen zu lernen.

Nachdem ich mir die Adresse rausgesucht habe, bin ich ins Büro in der Hochstettergasse gefahren. Es war gar nicht so einfach, das eher unscheinbare Gebäude zu finden.

Vorsichtig trat ich bei der Tür ein und wurde sehr freundlich von Leiterin des Büros, Meli Lichtenstein, aufgenommen. Ich erzählte ihr, dass ich sehr gerne nach Rumänien fahren würde, um mich ein Jahr den Kindern dort zu widmen. Mit einem Bewerbungsbogen in der Hand verließ ich das Gebäude. Voller Zuversicht wartete ich auf die Antwort. Bald wurde ein Treffen mit Ruth und Ulla vereinbart. Es war mein erstes richtiges Vorstellungsgespräch, und noch dazu in einer so lockeren Atmosphäre. Die beiden waren echt total offen und lieb. Im April bekam ich das endgültige "Ja" und "Willkommen bei Concordia".

Am 25.August traf ich auf 2 andere Mädchen, die auch als künftige Volontäre bei Concordia arbeiten wollten. Mit ihnen verließ Österreich, um mich auf ein richtiges Abenteuer zu begeben, in ein Land, das ich nicht kenne, mit einer Sprache, die ich nicht spreche, um Leute zu treffen, mit denen mich jetzt noch eine tiefe und enge Freundschaft verbindet.

Am Nordbahnhof angekommen hab ich noch immer nicht ganz realisiert, dass ich da bin. Drei Burschen vom Lazar haben uns abgeholt. Zu sechst und schwerst bepackt machten wir uns auf, um mit dem Bus zum Sozialzentrum zu fahren. Unsre ersten Eindrücke von Rumänien, Lärm, Dreck, schlechte Strassen, Hunde und Hitze. Völlig fertig kamen wir schließlich an und wurden in der, nein in unsrer Comunitate, von Ruth der Leiterin des Sozialzentrums, freundlich empfangen.

Sie lud uns gleich ein mit ihr nach Ploiesti in die Stadt der Kinder zu fahren, um am Abschluss der Academia, teilzunehmen. Etwas verloren und schüchtern hab ich mich gefühlt und verstand kein einziges Wort, nici un cunvânt..

Nach und nach kamen andere Freiwillige hinzu und wir wurden eine richtig große Gruppe. Noch nie hab ich so schnell Freundschaft geschlossen. Mit den Rumänen hat es zwar am Anfang ein bisschen gebraucht, ich denke es war die Sprachbarriere und der große Österreich- Deutschland -Überfall, doch nach anstrengenden Tagen haben wir uns immer zusammen gesetzt, Bier getrunken und uns schnell angefreundet.

Unsre erste Aufgabe war es Rumänisch zu lernen, bei einem sehr intensiven Kurs, der sich aber bezahlt gemacht hat, und uns einzuleben. Das Leben im Lazar war sehr spannend, wir wuchsen zu einem super Trupp zusammen und lernten mit der Sprachen auch die Jugendlichen und Kinder im Lazar immer besser kennen.

Jeder versuchte eine kleine Aufgabe zu übernehmen. Jeden Monatagabend gestaltete ich mit Nikolaus, einem Horner Zivildiener, einen Töpferkurs. Der Küchendienst hat mir besonders gefallen, das Küchenteam war echt super. Oh, und wie war ich aufgeregt wie ich das erste Mal das Essen auf rumänisch präsentieren musste! Doch mit jeder Ansage wurde es besser, schließlich konnten viele unter uns sogar schon die Fürbitten auf rumänisch sagen.

Der Nachmittag gestaltete sich so, dass wir mit den Kindern Sport gemacht oder unsre Deutschkurse abgehalten haben. Immer war gab es etwas zu tun.

Ich hatte am Anfang einige Probleme meinen Platz zu finden, wo doch die anderen so toll sich um die Musik in der Kapelle kümmern, oder Gitarreunterricht geben. Doch Ruth baute mich total auf und hat gemeint, dass es schon toll ist, dass ich da bin. Hier zu sein für die Kinder und Jugendlichen ist doch schon ein großer Verdienst. Ihnen einfach zuhören und mit ihnen reden- sie wahrnehmen. Denn in Rumänien sind die Straßenkinder ja nicht gerade gern gesehen.

Mit jeder Woche lebten wir uns besser ein, fühlten uns wohler, bewegten uns schon sicher in Bukarest. Einmal schafften es Maria, eine andere Volontärin, einer von unsren Schützlingen und ich, zwei kleine Burschen davon zu überzeugen mit uns ins Lazar zu kommen. Einer von den beiden lebt jetzt schon bald ein Jahr in der Stadt der Kinder und ist kaum wieder zu erkennen.

Nach cirka zwei Monaten schickte uns Ruth in die verschiedenen Kinderhäuser in Ploietsi und Bukarest, denn wir alle 13 konnten ja schlecht im Lazar bleiben und außerdem werden wir auch woanders gebraucht.

Ich habe mich für das Casa Austria in Ploiesti entschieden, schließlich war es ja nur für 2 Wochen, danach sollten wir uns alle noch ein letztes Mal treffen.

Das erste Mal alleine in einem Haus, ohne die anderen. Ich muss zugeben ich dachte, das werde ich nie überleben, doch es war notwendig, die Gruppe war toll, doch wir hingen doch schon zu stark aneinander und jeder sollte nun seinen Weg gehen und "seine" Familie suchen. Und schließlich entschied ich mich doch dafür im Casa Austria zu bleiben, den Rest des Jahres. Es war die richtige Entscheidung.

Als ich Ende November mit meinem ganzen Gepäck ankam wurde ich von den Kindern schon stürmisch begrüßt und sie waren froh, dass ich nun doch länger bleiben sollte.

Die "Arbeit" hier war anstrengender und ich wurde mehr gefordert als im Lazar, endlich gab es was zu tun. Meine Aufgabe neben der, des Abenderziehers, war es Deutschunterricht zugeben, Flöten spielen lehren (schon zu Weihnachten konnte ich mit meinen 2 fleißigsten Schülerinnen, Aura und Ana, bei unsrer Weihnachtsfeier auftreten!). Nebenbei gestaltete ich mit Hilfe der Großen die Kapelle um, das Spielzimmer, der Zaun wurde bunt, hinten die Vorratskammern...

Im Austria hat meine bastel- und Umgestaltungswut Formen angenommen. Das Haus und vor allem die Küchen schauen jetzt viel wohnlicher und gemütlicher aus. Eigentlich kann ich stolz auf mich sein. Ich muss aber auch sagen, dass meine Kollegen und ich sage jetzt Freunde, denn die Großen im Austria kann ich schwer als meine Kinder bezeichnen, mir eine große Stütze waren. Denn wenn mich das Heimweh plagte, ich nur fertig war, dann waren sie da für mich und bauten mich auf.

Zu meinen schönsten Momenten zählt, als ich in der Vorweihnachtszeit (besinnlich und ruhig ist etwas anderes), mit meiner Chefin Claudia und meinem Kollegen Liviu um Mitternacht noch Glühwein getrunken habe und wir uns über Gott und die Welt unterhalten haben.

Nachdem ich zu Silvester zu Hause war, fiel mir der Einstieg ziemlich schwer, doch ich wollte Stärke beweisen und habe mich so schnell es geht wieder eingelebt. Der Winter war für mich eine wahre Nervenprobe, es war bitterkalt immer grau und ich dachte, dass ich das nie überleben werde. Zum Glück wurde den Ploiester Erziehern ein Regiekurs angeboten, an dem auch wir Volos teilnehmen durften. Meine Arbeit wurde mit der Zeit auch immer routinierter und hat mir richtig Spaß gemacht. Ich habe zwar während meiner Zeit im Casa Austria kaum geschlafen, aber ich bin meistens mit einem Lächeln eingeschlafen.

Nachdem meine Kollegin Tami gekündigt hat, bekam ich endlich volle Verantwortung für eine Familie. Für mich war es sehr wichtig, endlich konnte ich beweisen, was in mir steckt und was ich drauf habe. Es war zwar dann ziemlich schwer auch noch neben Wäsche waschen, Kochen, Kapelle, bei Hausübungen helfen, Hygienekontrolle und so weiter, mein Flötenprogramm, Deutsch, Gitarre und Sport durchzuführen. Mit diesem "Stress" habe ich aber auch mehr Kraft entwickelt. Außerdem wurde mit dem Frühling alles besser, ich war viel fröhlicher und ausgeglichener.

Im März hatte ich mein erstes Tief, weil der Felix, mein damaliger Freund, nach Moldawien gegangen ist. Leider hat das auch dazu geführt, dass er die Beziehung beendet hat. Ich dachte eine Welt bricht für mich zusammen. Heulend bin ich zu Claudia ins Büro gelaufen und hab ihr die ganze Geschichte erzählt. Sie hat so toll reagiert, um neun war Stille im Haus, die Kinder wurden nach den Sectoren gleich ins Bett gesteckt und wir drei, Claudia, Liviu und ich sind Bier trinkend zusammen gesessen und ich hab meinen Frust freien Lauf gelassen. Nach diesem Tag schwor ich mir, nicht mehr zu weinen denn so bin ich den Kindern, die sich auch voll um mich gesorgt haben (so wunderbar, das ganze Haus stand hinter mir), keine große Hilfe.

Es mag komisch klingen, aber genau dieser Tiefschlag weckte eine unheimliche Kraft und ich wollte mich mit meiner Arbeit ablenken und keine Sekunde an den Felix verschwenden. Meine Ideen wurden alle innerhalb von 7 Wochen verwirklicht. Ioch muss zugeben ich war noch nie vorher so stolz auf mich. Auch dieses Gefühl hab ich so richtig erst in Rumänien erlebt.

In den 10 Monaten habe ich mich stark verändert. Ich bin reifer, ruhiger und stärker geworden. Die letzten Wochen im Austria vergingen wie im Fluge. Die Kinder wollten mich gar nicht gehen lassen. Ich wurde mit Briefen und Spielsachen bestochen. Es fiel mir nicht leicht ihnen sagen zu müssen, dass ich jetzt mit meinem Leben beginnen will und unbedingt eine Ausbildung brauche. Das ich sie verlasse muss ja nicht heißen, dass wir uns nie wieder sehen, natürlich möchte ich unbedingt mit meiner rumänischen Familie in Kontakt bleiben.

Drei Tage vor unsrer Abfahrt gab es noch ein letztes großes Treffen und abschiedsfest im Lazar. Ich werde diesen Abend niemals vergessen. Es war als wäre die Zeit zurückgespult worden, nur mit dem Unterschied, dass wir uns alle verändert haben und jeder seine eigene Concordia Familie hatte. Natürlich wurde der fröhliche Abend mit einem großen Essen eingeleitet. Am nächsten Tag mussten Maria, Maria und ich nach dem Reflexionsgespräch das Lazar verlassen. Die Burschen sangen uns noch ein Abschiedslied, die Kinder haben uns lange nach gewunken. Bis wir in Ploiesti Vest angekommen sind, musste ich weinen. Das Jahr verging so schnell, vor allem der Frühling und im Winter dachte ich die Zeit vergeht gar nicht.

Die letzten zwei Tage verbrachte ich mit meinen Kindern. Erst paar Stunden vor der Abfahrt habe ich zum Packen begonnen, einfach weil ich nicht so richtig wollte. Mitsamt Claudia und ein paar Kindern ging es zum Gara de Vest. Die Stimmung war drückend. Schließlich kam der Zug und die Kinder liefen uns hinterher und winkten uns zu. Für mich war es herzzerreißend. Was nun? Beginnt jetzt mein Leben? Werde ich noch zu meinen Freunden passen? Krems? Ein Neuanfang und schon wieder alleine? Woher den Mut nehmen? Jetzt habe ich ein Jahr Verantwortung für andere übernommen, Kraft, Stärke, Mut und Ausdauer gezeigt und jetzt wo ich für mich Verantwortlich bin kneife ich? Hoffentlich wird die Kraft noch kommen!

Meine Gefühle die ich mit diesem Jahr durchlebt habe kann ich einfach nicht niederschreiben, ich kann sie nicht in Worte fassen.

Ich kann nur DANKE sagen, danke Ruth, dass du mich "genommen" hast, danke an alle Erzieher im Lazar, die unsre ersten Rumänischen Ansprechpersonen und Freunde waren. Danke an alle, alle Kinder bei Concordia, die uns so herzlich aufgenommen haben, uns so lieb gehabt haben und akzeptiert haben wie wir sind.

Danke an Claudia Sescu, die nicht nur eine tolle Chefin war, die mich in all meinen Ideen bestärkt hat, sondern mehr eine gute Freundin, die da war, wenn es mir schlecht gegangen ist. Natürlich auch ein Danke an alle Volontäre, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und mir besonders liebe und wertvolle Freunde geworden sind.

In diesem Jahr habe ich unglaublich viele liebe Freunde gefunden.

Und wie schon gesagt, dieses Jahr hat mich wie kein anderes so geprägt. Alle Höhen und Tiefen haben mich geformt und stärker gemacht und wenn ich jetzt zurückblicke, dann sehe ich nur noch die schönen Momente. Sei es mit den Kindern, oder mit den Einheimischen in den Dörfern und Städten.

Ich freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen beim Vis de Vara und auf die Besuche in Wien und Rumänien. Auf das die Verbindung nicht abbricht und dass wir uns bald wiedersehen.

- Annika Rauchberger, Jahresbericht Ende August 2005- Ende Juni 2006

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