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WIE KANN ICH HELFEN > Jahresbericht

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Ein Jahr für Rumäniens Straßenkinder

„Wenn ich die Wahl hätte, ich würde sofort noch einmal nach Rumänien gehen."

 

Veronika Leutzendorff (3. v. r.)
inmitten „Ihrer" Kinder

Ein Jahr hat die 20-jährige Veronika Leutzendorff in der Organisation "CONCORDIA" von P. Georg Sporschill in Bukarest/Rumänien mitgearbeitet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Straßenkindern zu helfen. Eine Zeit, die sie niemals vergessen wird und in keinem Fall missen möchte. Etwas Sinnvolles wollte Veronika Leutzendorff nach der Schule machen: "Etwas, das nicht nur mir etwas bringt, sondern auch anderen Menschen hilft." Im Mai 2003 schrieb sie deshalb ein E-Mail an Pater Sporschill und seine Organisation "CONCORDIA": "Ich habe ihm geschrieben, dass ich gerne in seiner Organisation mithelfen möchte, und ihn gefragt, ob und unter welchen Umständen das möglich ist. Schon im Juni bekam ich seine Antwort: "Lern Rumänisch, und dann komm her!" So beginnt Veronika genau das zu tun. Sie besucht einen Sprachkurs, lernt die Grundbegriffe der fremden Sprache und setzt sich bald darauf in den Zug nach Bukarest. "Das war schon aufregend", sagt sie heute über diese Fahrt ins Ungewisse, "ich wusste zwar, dass ich das machen wollte, aber was mich dort erwarten würde und ob ich den Anforderungen wirklich gewachsen sein würde, wusste ich nicht." Sie nimmt sich vor, auch wenn es Schwierigkeiten geben sollte, mindestens bis Weihnachten zu bleiben: "Einfach aufgegeben hätte ich nicht."

Sofort willkommen

Der Empfang am Bahnhof von Bukarest, wo sie am 4. September ankommt, ist herzlich. Ein Mitarbeiter von "CONCORDIA" und einige Kinder holen die junge Wienerin ab. "Sie haben es mir leicht gemacht, mich gleich willkommen zu fühlen", sagt sie rückblickend. Schnell lebt sie sich in Bukarest ein, auch wenn ihre Aufgaben sich erst langsam heraus­ kristallisieren. "Bei ,CONCORDIA' wird den Kindern vor allem beigebracht, ein ganz normales Leben zu führen. Sie gehen in die Schule, machen Hausaufgaben, kochen mit uns, essen, halten ihre Zimmer ordentlich. Sie sollen einfach einen möglichst geregelten Tagesablauf haben. Ich hatte nach Absprache mit Pater Sporschill und den Verantwortlichen für die Familie St. Ignatius die Aufgabe, mich in diesen geregelten Tagesablauf einzugliedern. Ich sollte mich mit den Kindern beschäftigen, mit ihnen spielen, kochen, Musik hören, lesen und ähnliches." Großen Erfolg hatte sie anfangs vor allem bei den Mädchen, als sie ihnen das Knüpfen von Freundschaftsbändern beibrachte.

Nicht immer einfach

Die Sprachbarriere ist anfangs noch groß: "Es war schwer, den Teenagern etwas zu sagen, weil ich mich einfach nicht so gut ausdrücken konnte auf Rumänisch. Den Satz "Du kannst ja nicht mal wirklich rumänisch" hab ich oft gehört. Aber ich hab mich davon nicht entmutigen lassen." Dass bei "CONCORDIA" auch viel Deutsch gesprochen wird, hilft Veronika enorm. "Drei Kinder, die besonders gut Deutsch gesprochen haben, waren mir am Anfang eine große Hilfe."

Hoffnungskinder

Zurzeit leben über 400 Kinder im Alter zwischen zwei und 25 Jahren in 33 Häusern und Wohngruppen von "CONCORDIA". Veronika arbeitet in der "Familie St. Ignatius", einem Haus direkt in Bukarest, in dem zu dem Zeitpunkt 12 Kinder betreut wurden. "Das Haus ist wunderschön hergerichtet", erzählt sie: "Die Kinder sind in Vier-Bett-Zimmern untergebracht, haben jeder einen eigenen Kasten und einen Schreibtisch und teilen ein Badezimmer miteinander."

Es gibt viele Sponsoren aus Österreich, aber auch der Schweiz und Deutschland, die helfen, den Kindern ein Zuhause zu bieten. "Aber wir können natürlich nie genug Sponsoren haben, denn jeder Euro bedeutet, ein weiteres Kind in einem Heim aufnehmen zu können" betont Veronika.

Weg von der Straße

Die Kinder, die in den Häusern aufgenommen werden, sind meistens Straßenkinder. Sie leben in unterirdischen Schächten, schnüffeln Lack und betteln, um das zu bekommen, was sie zum täglichen Leben brauchen. Solange sie auf der Straße leben, sind sie meist in Banden organisiert. Die Gründe, warum diese Kinder auf der Straße landen, sind viel­fältig. Viele sind Waisenkinder, andere laufen von zu Hause weg, weil die Mutter sie schlägt oder der Vater trinkt. Oft passiert es auch, dass die Eltern ihre Kinder in den Häusern von "CONCORDIA" regelrecht abgeben, weil sie nicht für sie sorgen können. Der Kontakt zu den Eltern bleibt dann aber oft noch, wenn auch sporadisch, bestehen. "Da gab es eine Mutter, die hat ihren Sohn und ihre Tochter 2, 3 Mal die Woche besucht. Sie hat sie zu uns gegeben, weil sie ihnen nichts bieten kann. Sie ist Zeitungsverkäuferin, ein nicht besonders lukrativer Job, und lebt in einer 1-Zimmer-Wohnung. Das ist trostlos", erzählt Veronika.

Umsorgt und geliebt

"Bei 'CONCORDIA' geht es den Kindern gut", weiß Veronika, "sie haben nicht nur einen Schlafplatz und bekommen regelmäßig zu essen, wir spielen mit ihnen, lernen mit ihnen, kümmern uns um sie. Jeden Abend wird gebetet und eine Bibelstelle gelesen und dann darüber gesprochen. Jedes Kind hatte die Möglichkeit, seine Fürbitten zu formulieren. Die Kinder mögen das, es gibt ihnen Geborgenheit."

Für einige wenige ist und bleibt ihr Zuhause die Straße. Sie reißen immer wieder aus. "Gott sei Dank kommt das nicht oft vor. Aber wenn es passiert, können wir fast nichts machen. Wir können sie nicht zwingen, bei uns zu bleiben" sagt Veronika. Einmal sind drei Kinder ausgerissen. "Wir haben sie die halbe Nacht lang gesucht. Das war wirklich furchtbar, wir haben uns alle große Sorgen gemacht, sind zu den U-Bahnstationen gegangen und an alle Stellen, von denen wir wissen, dass dort Straßenkinder anzutreffen sind. Und Gott sei Dank haben wir sie nach langem Suchen gefunden und konnten sie davon überzeugen, mit uns zurück zu gehen."

In Verbindung bleiben

"Ich hab alle 12 im Laufe dieses Jahres sehr lieb gewonnen", sagt Veronika. "Und ich möchte die Zeit mit ihnen nicht missen. Es sind ganz 'normale' Kinder - zugegeben, sie haben eine andere Vergangenheit als etwa Kinder aus Wien, aber im Grunde sind sie doch Kinder, die gerne spielen, sich gerne verkleiden, gerne Feste feiern, Schokolade essen und Musik machen."

Müsste sie sich heute noch einmal entscheiden, nach Bukarest zu gehen oder in Wien zu bleiben, Veronika würde sich sofort wieder für Rumänien entscheiden: "Das Jahr hat mir auch persönlich viel gebracht Ich bin ernsthafter geworden, werte anders. Ich hab erlebt, was es für Menschen heißen kann, kein Zuhause zu haben. Wie es ist, sich kaum etwas leisten zu können - das verändert einen schon, und ich bin froh, dass das so ist."

Veronika hat sich fest vorgenommen, mit ihrer "rumänischen Familie" in Kontakt zu bleiben. Noch im Februar wird sie "ihren" Kindern in Bukarest wieder einen Besuch abstatten.

- Veronika Leutzendorff

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