
Vor einem Lehmhaus in Valeni, einem Dorf im Süden Moldawiens, sitzen zwei alte Frauen, Maria und Vasilica. Eingehüllt in warme Wolldecken, die unsere Wohltäterinnen gestrickt haben, sitzen sie da und genießen die ersten Sonnenstrahlen. Im Haus ist nur noch ein Zimmer bewohnbar, seit dem Hochwasser im letzten Sommer sind die Mauern am Zerfallen. Maria kümmert sich um ihre Schwester, die von Geburt an geistig behindert ist. Die Frauen haben niemanden mehr, alle Familienmitglieder sind gestorben oder weggegangen. Nur ein Sohn ist noch da, er ist Hirte und immer mit den Schafen unterwegs. „Wir warten auf den Tod“, antwortete Maria auf die Frage, wie es ihnen geht. Doch dabei lächelt sie verschmitzt. Und meint: „Wolldecken könnten wir noch brauchen.“
Für Menschen wie Maria und Vasilica gibt es im Dorf eine CONCORDIA-Suppenküche. Dort kochen Frauen täglich für die Hungernden. Tamara oder ihr Bruder Valerian bringen mit dem Pferdewagen die Töpfe mit dem warmen Essen zu den alten Leuten, die nicht mehr gehen können. Immer mehr Dorfbewohner helfen mit, die Jungen sind mit großen Körben unterwegs, schaffen Wasser aus dem entfernten Dorfbrunnen herbei. Sie sind stolz, weil die verlassenen Menschen wieder strahlen. In der Suppenküche stimmt eine alte Frau, die einmal Lehrerin im Dorf war, ein Lied an. „Seit zwanzig Jahren wurde in unserem Dorf nicht mehr gesungen“, sagt eine der Frauen und weint vor Glück.
Seit dem letzten Herbst haben wir in zweiundzwanzig Dörfern Moldawiens einfache Suppenküchen eingerichtet, mit Gaskochern und großen Töpfen, mit einer Vorratskammer und einem Tisch, auf dem fleißige Hände das Gemüse schneiden. Die Suppe macht viele glücklich, aber noch mehr die Möglichkeit, dass die Frauen jetzt denen helfen können, die noch ärmer sind. Täglich bekommen über zweitausend Hungernde so viel, dass sie überleben können. Pro Person kostet das weniger als einen Euro. Zu Weihnachten konnten wir dreihundert einsamen Menschen Holz bringen. Heizen zu können ist für viele in Moldawien ein unerwarteter Luxus.
Wir haben große Träume. In vierzig Dörfern möchten wir Suppenküchen in Gang bringen. Viele Bürgermeister, meist sind es Frauen, haben bei uns angefragt. In zwölf Dörfern bauen wir Sozialzentren. Nur dort gibt es fließendes Wasser und die einzige Dusche im Dorf, einen Gemeinschaftsraum und eine kleine Krankenstation. Hier werden die Freiwilligen geschult und ausgerüstet, damit sie ihren Nachbarn helfen können. Nina träumt von einem eigenen Frisiersalon im Dorf. Ihre Dienste sind gefragt. Vielleicht können wir ihr einen Minikredit beschaffen. Sie möchte in ihrem Geschäft Mädchen ausbilden, um vielen Menschen den Wunsch erfüllen zu können, schön zu sein. Gibt es etwas Wichtigeres als die Schönheit, in der die Würde des Menschen aufstrahlt? Schönheit besiegt die Armut.
Bald feiern wir Ostern, in Moldawien mit der orthodoxen Kirche. Unsere Jungen und unsere Alten werden in ihren zerschundenen Händen das Licht halten, das die Dunkelheit der Nacht und die Traurigkeit auf ihren Gesichtern zerreißt. Ein Licht geht aus von der Stadt der Kinder, von den Suppenküchen, von der Dorfkirche und auch von den armseligen Hütten.
Unseren Sozialzentren haben wir den Namen der uralten Nachbarin gegeben, um die sich der zwölfjährige Ion gekümmert hat. Sie heißt Nadeschda, auf Russisch: Hoffnung. Vor wenigen Wochen fragte sie eingehend, ob es dem kleinen Ion in der „Stadt der Kinder“ gut gehe. Sie bat die junge Helferin, die Kerze anzuzünden, die sie hergerichtet hatte. Dann legte Nadeschda den Kopf zurück und starb.
Mit meinen Worten des Dankes an euch, liebe Freunde, möchte ich das Licht der Hoffnung bis in eure Häuser und zu euren Kindern bringen.
Chisinau, Ostern 2009
Wie hilft CONCORDIA in der Republik Moldau
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