Da ist Laurentiu gekommen und hat uns eine zweite Flasche Cola gekauft. Er hat uns gesagt, wir können irgendwo unterkommen. Er hat uns in das Kinderhaus St. Paul gebracht, wo wir gebadet und neu eingekleidet wurden. Die alten Kleider konnte man nicht mehr sauber machen. Die anderen Kinder in St. Paul haben uns gut behandelt.
Im Kindergarten durfte ich dann schon Striche, Kreise und Zahlen üben. Wenn ich heimgekommen bin, habe ich mit meinem Freund Viorel die Übungen wiederholt. Ich wollte möglichst viel lernen. Mit sieben bin ich dann zur Schule gekommen. Ich war stolz, dass ich Schulbücher bekommen habe, die jetzt mir gehören. Heuer, in der 4. Klasse habe ich mit einem Schnitt von 9,06 (10 ist die beste Note) abgeschlossen.
Mit Costin unserem Hausleiter, bin ich eines Tages wieder zu meiner Mutter gefahren. Ich habe mich sehr gefreut, sie nach so langer Zeit wieder zu sehen. Sie lebt nicht mehr mit meinem Vater zusammen. Jetzt ist sie bei einem anderen, sie haben ein 7 Monate altes Mädchen. Sie ist meine Schwester und heißt Cornelia. Ich habe erfahren, dass ich noch 6 Geschwister habe und dass alle in Heimen leben. Ich hoffe, meiner Mutter eines Tages helfen zu können, wenn ich einen Beruf habe.
Ich weiß, dass alle Erzieher das Beste für uns wollen, damit wir im Leben etwas erreichen. Für alle danke ich dem lieben Gott."
Dezember 2001 |