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Wir können nicht alle Kinder aufnehmen, die uns nachlaufen. Es sind Kinder, die keine Kindheit haben. Sie wollen uns zeigen, wo sie schlafen. Wir gehen durch Hinterhöfe, durch U-Bahnschächte, Markthallen. Wir laden sie in unser neues Sozialzentrum Lazarus ein. Waschen und eine warme Suppe wartet. An manchen Tischen entsteht Gemeinschaft, wird gelacht, andere müssen kämpfen, jeder will erzählen. Die dunklen und alten Gesichter wandeln sich zu hellen Kindergesichtern.
Um Moise kämpfe ich seit Jahren, aber er bleibt auf der Straße und in den Drogen. Trotzdem bringt er die kleinen Kinder, die er findet, in unser Sozialzentrum. Vielleicht ist er unser bester Streetworker. Gerettet wird, wer andere rettet. Moise stärkt meine Hoffnung. Das ist das große Geschenk der Kinder an uns. Von denen, die keine Familie kennen, empfangen wir tiefe Freundschaft.
Ein Gast wollte im Gottesdienst unsere Kinder trösten. Einfühlsam begann er: Ihr kennt Eure Mutter und Euren Vater nicht. Bis die Kinder die Predigt unterbrachen und sagten: "Weißt du nicht, dass wir alle einen Vater im Himmel haben?" Die Straßenkinder sind ganz nahe bei Gott und schenken mir diese Nähe. Noch etwas: seit ich mit Obdachlosen und Straßenkindern lebe, weiß ich, dass ein warmes Bett keine Selbstverständlichkeit ist. Die Kinder lehren mich die Dankbarkeit. Sie erst machen mich zum dankbaren Jesuiten, zum stolzen rumänischen Staatsbürger, zu einem Menschen, der seine behütete Kindheit in der Familie zu schätzen weiß. Meine Lebensgeschichte beginnt vor diesem Horizont zu leuchten. Ich weiß, wie gut es mir geht und wie groß meine Berufung ist.
Pater Georg Sporschill SJ
März 2004 |