Lambarene ist ein Licht, das über meiner Kindheit leuchtet.
Mein Herz ist mit Dr. Albert Schweitzer gegangen, als er mit 30 Jahren aufgebrochen ist. Ich habe miterlebt, wie der Pastor verwahrloste und verlassene Kinder rettete, wie er für Vagabunden und Gefangene arbeitete und wie er in den Urwald zog. Nach Lambarene. Mit 21 Jahren hatte Albert Schweitzer die Einsicht. Er beschreibt sie in seiner Autobiografie: "An einem strahlenden Sommermorgen, als ich - es war im Jahre 1896 - die Pfingstferien in Gunsbach verbrachte, überfiel mich der Gedanke, dass ich dieses Glück als nicht etwas Selbstverständliches hinnehmen dürfe, sondern etwas dafür geben müsse. Indem ich mich mit ihm auseinander setzte, wurde ich. mit mir selber eins, dass ich mich bis zu meinem 30. Lebensjahr für berechtigt halten wollte, der Wissenschaft und der Kunst zu leben, um mich von da an einem unmittelbaren menschlichen Dienen zu weihen. Gar viel hatte mich beschäftigt, welche Bedeutung dem Worte Jesu, ,Wer sein Leben will behalten, er wird es verlieren, und wer sein Leben verlieret um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es erhalten', für mich zukomme. Jetzt war sie gefunden. Zu dem äußeren Glück besaß ich nun das innerliche."
Auch mein Glück, meine erste Liebe in der Heimat Vorarlberg, alemannisch mit dem Elsass verbunden, dauerte bis zum 30. Lebensjahr. Da bin ich in den Jesuitenorden eingetreten. Die Jugend- und die Sozialarbeit wurden mein ganzes Glück. Zunächst mit den Obdachlosen in Wien, seit 1991 auf den Straßen in Rumänien und nun mit den Kindern in der Republik Moldau.
Wieder wurde Lambarene zum Licht über meinem Leben. Weil ich verstand, wie Gott Albert Schweitzer für seinen Einsatz vorbereitet hatte. Mit drei Schätzen:
Erstens: Durch eine gesegnete Familie und glückliche Kindheit hier im väterlichen Pfarrhaus von Gunsbach.
Zweitens: Durch die Liebe zur Musik. In dieser Kirche begann er mit acht Jahren Orgel zu spielen. 1905 schrieb er sein Buch über Johann Sebastian Bach und kämpfte für die Erhaltung der alten Orgeln.
Drittens: Durch die Bibel. Mit seinen Schriften bringt er uns bis heute das Leben Jesu nahe.
Das ist es, was ich meinen Kindern geben möchte: Eine Gemeinschaft, weil sie keine Familie haben. Viel Musik, damit sie die innere Heimat spüren. Und die Bibel, damit sie sich über ihre Würde als Gotteskinder freuen.
Die drei Schätze verbinde ich mit einem Ratschlag für alle jungen Freunde, die auf der Suche sind: Frage nicht, wozu du Lust hast, sondern frage: wo werde ich gebraucht? Das ist das Tor zum Glück.
Ich danke der Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung Basel für den Albert Schweitzer-Preis. Mit meinen Kindern kann ich ihn annehmen. Ich danke dem Herrgott für Albert Schweitzer und für die europäische Gemeinschaft, die er heute in seiner Heimatgemeinde zusammengeführt hat.
P. Georg Sposchill SJ
Gunsbach, 5. September 2004
|