Im Anfang" war der Neid. Kaum war der Mensch geschaffen, schon gab es Eifersucht. Abel hatte Erfolg, sein Bruder Kain nicht. „Da überlief es Kain ganz heiss, und sein Blick senkte sich" (Genesis 4,5). Er erschlug seinen Bruder. So beschreibt die Bibel die grundlegende Schwäche des Menschen. Er vergleicht sich mit anderen und ist gefährdet durch Neid. In der Wirtschaft stimuliert der Neid die Leistung oder er verleitet zu unfairen Methoden und führt zum Krieg. Wie kann man den Neid in den Griff bekommen? Sich den Neid zu verbieten, hiesse Öl ins Feuer gießen. Wenn ich mich gegen ein Gefühl wehre, wird es stärker. Ich kann den Neid nur indirekt besiegen.
Wenn es gelingt bei den Strassenkindern den Neid auf die Kinder zu wecken, die in die Schule gehen, beginnt die Erziehung.
Wenn ich Neid in mir spüre, ist es Zeit, aufzuwachen und etwas zu tun. Ich muss den Blick, den der Neid gesenkt hat, nach oben richten. Ich schaue auf meine Begabungen, auf die Menschen, denen ich vertraue, ich sehe, was mir wirklich Freude macht. Ich konzentriere mich auf das, was ich kann. Ein Jesuit litt darunter, dass seine wissenschaftlichen Leistungen nicht anerkannt wurden. Seine Kollegen an der
Fakultät waren erfolgreicher. Er klagte das Leid seinem berühmten Mitbruder Karl Rahner. Der sagte ihm spontan: „Aber du kannst doch Autofahren!" Der grosse Professor hatte keinen Führerschein. Das Wort Karl Rahners hat meinen Neid weggeblasen, lächelt der Wissenschafter heute. Wenn ich sehe, was ich kann und dafür danke, werden die negativen Kräfte des Neides ins Positive verwandelt. Danken führt aus der Depression heraus und macht optimistisch.
Aus Neid kann Leistung werden. Weil andere mich mit ihren Stärken beeindrucken, komme ich dazu, nach meinen Stärken zu fragen und sie zu aktivieren. Die Konkurrenz fordert mich heraus, ich beginne zu laufen. Wenn es gelingt, bei den Strassenkindern den Neid auf die Kinder zu wecken, die in die Schule gehen, beginnt die Erziehung. Die Geschichte des Kain, der aus Neid den Bruder erschlagen hat, geht weiter. Er bekommt von Gott das Kainsmal. Es ist ein Zeichen, das ihn vor Vergeltung schützt. Der Mensch wird gestärkt und nicht verurteilt nach dem Unglücksfall. Er wird selbstkritisch und achtsam. Er lernt, Schwäche zu verstehen und Mutlose aufzurichten. Niemand kann das besser als meine Strassenkinder. Sie tragen das Kainsmal. Die Blickrichtung entscheidet, ob Zurücksetzung und Unglück mich aggressiv oder innovativ machen. Neid kann Leistung steigern und menschlicher machen. Wenn ich den Blick erhebe. - Wirtschaftsblatt |