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Wie Furchen haben sich die Falten im Gesicht der betagten Frau eingegraben. Sie sind stumme Zeugen des armseligen Lebens, das die Moldawierin bislang ertragen musste. Kaum Essen, kein Strom, nur dürre Reisigzweige, mit denen die Alte am Abend ihre kleine Kammer heizen kann. Lidia ist eine von Tausenden, die in der Republik Moldau unter der Armutsgrenze leben. Seit kurzem gibt ihr jedoch ein kleiner Lichtblick neue Hoffnung. Tamara Zgherea, eine Mitarbeiterin des Sozialprojekts Concordia, hat in Valeni, dem Wohnort von Lidia, eine Suppenküche eingerichtet. Hier treffen sich die Alten des Dorfes, um zumindest einmal am Tag eine warme Nahrung zu bekommen.
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| KINDER AUF DER STRASSE. Pater Sporschill und Rotraut Konrad besuchen Obdachlose Jugendliche in Bukarest. Entweder dient ein Abbruchhaus zum Wohnen oder eine Plastikplane. |
Hilfe für Kinder und Alte
Das Projekt Concordia gibt es bereits seit 1991. Damals ging der Jesuitenpater Georg Sporschill von Österreich nach Rumänien, um den Straßenkindern zu helfen. „Als wir begonnen haben, waren noch Babys und Kleinkinder auf der Straße. Das hat sich Gott sei Dank gebessert", erzählt der Geistliche. Bislang fanden 1.000 rumänische und moldawische Kinder eine Unterkunft in der „Kinder-Farm" oder in der „Kinder-Stadt". Das Motto von Sporschill: „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt." Inzwischen wurde diese Hilfsaktion auch auf alte Menschen ausgedehnt. Für sie werden Suppenküchen, teilweise mit angeschlossenen Sozialzentren, errichtet.
Das Sozialzentrum Lazarus in Bukarest ist die erste Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche. Hier bekommen sie eine medizinische Erstversorgung, Waschgelegenheit, Kleidung, Essen und einen Notschlafplatz. 100 Kinder können in St. Lazarus schlafen. Wird ein Platz in einem der Kinderhäuser von Concordia frei, kann eines von ihnen dorthin übersiedeln. In einem Sieben-Stufen-Programm werden Kinder bis zum Alter von 18 Jahren, die auf den Straßen leben, wieder in die Gesellschaft begleitet. „Jeder hat ein Bett, eine Mahlzeit, Wasser zum Waschen. Diese Stabilität ist ein starkes Erziehungsmittel", erklärt Sporschill, denn einige Kinder zieht es immer wieder zurück auf die Straße. Die meisten kommen jedoch wieder. Auf der „Kinder-Farm" in Aricesti (Moldawien) und in der „Stadt der Kinder" in Ploiesti (Rumänien) leben zurzeit mehrere Hundert Jugendliche in familienähnlichen Strukturen. „In Rumänien hat sich alles zum Guten gebessert", ist Pater Georg zufrieden.
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SUPPENKÜCHE. Tamara Zgherea (in Rot) betreibt die
Concordia-Küche in Valeni. Einmal am Tag gibt es für
die Betagten warmes Essen. |
GUTE SEELE. Kinder der Casa Austria begrüßen Rotraut Konrad. |
Lehrer verdient 50 Euro im Monat
Viel Arbeit wartet noch in Moldawien auf ihn. Gemeinsam mit Ruth Zenkert in Rumänien und mit Angela King in Moldawien ist er ständig bemüht, Sponsorgelder für seine Projekte aufzustellen. Und das gelingt dem Trio ganz gut. Zu den großen Unterstützern, die Millionen spenden, zählen Raiffeisen NÖ-Wien ebenso wie der Strabag-Konzern (s. Kasten links), die Uniqa, das Stift Klosterneuburg, Kika, die Firmen Hilti und Hoval aus Liechtenstein.
Um ein Kind in Moldawien zu ernähren, bedarf es pro Tag nur fünf Euro. Doch viele Eltern können sich auch diesen Betrag nicht leisten. „Ein Lehrer verdient umgerechnet etwa 50 Euro im Monat. Damit können nicht einmal die Heizkosten bestritten werden", erzählt Sporschill. Die Eltern sehen als letzten Ausweg nur die Flucht ins Ausland, wo sie hoffen, einen besseren Job zu finden, um ihren Familien Geld nachhause zu schicken. Zurück bleiben die Kinder, meist alleine oder bei den Großeltern. Sterben diese, müssen sich die Kleinen selbst versorgen, egal wie alt sie sind. Von insgesamt vier Millionen Moldawienern lebt ein Viertel bereits im Ausland.
Eine der guten Seelen, die Pater Georg seit Jahren unterstützen, ist Rotraut Konrad, die Gattin des Raiffeisen-Gene-ralanwalts. Sie ist Patin der Casa Austria, wo 24 Kinder ein Heim gefunden haben. Selbst Mutter zweier Töchter und bereits Großmutter, besucht sie regelmäßig „ihre" Kinder in Rumänien. „Zwei, die in der Casa Austria groß geworden sind, haben bereits maturiert und studieren nun in Wien", freut sich Konrad.
Investition in Sozialprojekte, anstatt zu zocken
Gutes zu tun steckt an. Seit zwei Monaten ist Stefanie Frischeis, die Tochter von Europas führendem Holzwerkstoffhändler Frischeis, auf „Fact Finding Mission" in Moldawien, um den Ärmsten dort in die Selbständigkeit zu helfen. Das erste Projekt ist weit gediehen und kann schon verkostet werden: Marmelade ä la Moldau aus grünen Nüssen mit Honig, Quitten oder Himbeeren. Pläne dieser Art gefallen auch Gustav Harmer, dem Besitzer der Brauereien Kapsreiter und Grieskirchner. Eine Investition in Sozialprojekte, findet Harmer, macht jedenfalls mehr Freude als am Aktienmarkt zu zocken. Zurzeit sowieso.
- Gabriela Schnabel
Bautycoon schreibt Kindermärchen
Hans Peter Haselsteiner zeigt Herz:
Er spendet und hat ein Märchen
für arme Kinder geschrieben.
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Hans Peter Haselsteiner baut Kinderheime.
Nun schrieb er auch ein Kinderbuch. |
Der Igel Miki hat seine Familie verloren. Doch dann findet er ein neues Zuhause und gute Freunde und erlebt spannende Abenteuer. Diese Geschichte erzählte Hans Peter Haselsteiner, Chef der Strabag, bei der Eröffnung der „Stadt der Kinder" in Moldawien, die sein Bauunternehmen errichtet hatte. Seitdem spinnen die Kinder aus dem Concordia-Projekt die Miki-Geschichten weiter. Sie zeichnen und malen, singen Igel-Lieder und spielen Theater. Der Igel Miki spricht Deutsch, Rumänisch und Russisch. Und er hört nicht auf, verlassenen Kindern Geborgenheit zu schenken. Am 26. November wird Haselsteiner in Moldawien ein neues Sozialzentrum für alte Menschen eröffnen. Bei dieser Gelegenheit wird er auch einen Abstecher in das Kinderdorf in Pirita machen, wo 300 Kinder leben. Ihnen wird Haselsteiner sein Kinderbuch „Miki und die wilde Bande" schenken. Bislang hat der Unternehmer Bauprojekte im Wert von rund vier Millionen Euro realisiert. Zum Teil kommen die Spenden von der Strabag, zum Teil aus Haselsteiners Privatstiftung. Sozial engagiert ist auch Haselsteiners Sohn Clemens, er macht seit kurzem Sozialdienst in Dorotcaia, Moldawien.
- FORMAT, Dezember 2008
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