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Kampf um (verlorene) Jugend
Aktionstag mit Schönborn

PRESSE WEIHNACHTSAKTION

KIRCHE. Ein Aktionstag soll kirchenferne Jugendliche versammeln.
Auch die Katholische Jugend gibt sich aufrührerisch.

WIEN. Er ist ein Kirchenmann, der die Mauern der Kirche einreißen will: Jesuitenpater Georg Sporschill, bekannt durch seine Sozialprojekte in Südosteuropa, will es am 14. März mit einem Jugendaktionstag in der katholischen Kirche, wie er selbst sagt, „krachen lassen".
Und zwar mit der Initiative „Concordia 72": Laut Lukasevangelium schickte Jesus 72 Jünger „voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte". Sporschill möchte wiederum 1000 österreichische „Wohlstandsjugendliche" ausschicken, um in Sozialprojekten Freiwilligendienst zu tun. Und er möchte die Amtskirche mit der Kritik junger Menschen konfrontieren: Nach dem Konzert einer rumänischen Musikgruppe (Sporschill: „Die bringen hoffentlich alle zum Kochen!") und einem Jugendgottesdienst ist für den Abend des 14. März eine „Große Konfrontation" vorgesehen, bei der Jugendliche Kardinal Christoph Schönborn zehn kritische Fragen stellen werden. „Der Kardinal soll Stellung nehmen", sagt Sporschill.
Wobei Kardinal Schönborn sogar Hausherr der Veranstaltung ist: Das Treffen soll im Erzbischöflichen Palais stattfinden, welches dieser zur Verfügung stellt. Das Verhältnis zu Schönborn sei nicht friktionslos, sagt der Jesuitenpater, jedoch meint er anerkennend: „Der Kardinal ist der Einzige, der Mut bewiesen hat." In der Kirche gehe derzeit die Angst um, konstatiert Sporschill. Zitat: „Sie fürchten sich alle hinter ihren Mauern. "Wobei die Kirche sowieso schon den Großteil ihres Nachwuchses verloren hätte. "Unter Jugendlichen hat die Kirche einen katastrophalen Ruf."
Die Idee für das Treffen entstand eigentlich aus den Erfahrungen mit jugendlichen Volontären in der Concordia-Einrichtung in Rumänien. "Hier kann ich etwas bewegen", würden viele Jugendliche erkennen, erklärt Ruth Zenkert, Koordinatorin von'„Concordia 72".

„Angepisst und trotzdem Christ"
Deshalb möchte man gemeinnützige Arbeit fördern. Allein Sporschills Concordia-Projekte (in Rumänien, Moldawien und Bulgarien) bieten 120 ganzjährige Volontärsplätze an; andere Vereine sollen ins Boot geholt werden. Einladen möchte.man vor allem kirchenferne junge Menschen - und nicht nur die Kirchenjugend.
Doch sogar diese probt dieser Tage den Aufstand. Es ist die Katholische Jugend, die vor Kurzem die Website www.trotz-speiben-bleiben.at eingerichtet hat (nach Gerhard Maria Wagners Verzicht auf sein Amt umbenannt in das versönlichere www.aufbauen-statt-ab-hauen.at): Dort können Katholiken ihren Unmut äußern - und T-Shirts mit selbst ausgedachten Sprüchen posten: „Weihbisch Off", „Der Papst ist nicht unfehlbar", steht da zu lesen. Oder etwa das Motto von Userin Mary - „Angepisst und trotzdem Christ": Es dürfte ganz im Sinne der Betreiber sein.

AUF EINEN BLICK
Jugend-Initiative: Für den 14. März plant Jesuitenpater Georg Sporschill in Wien die Veranstaltung „Concordia 72". Dabei sollen Freiwillige an Sozialorganisationen vermittelt werden. Auch Kritik an der Kirche steht auf dem Programm: Geplant ist eine Debatte mit Kardinal Christoph Schönborn.

- Jutta Sommerbauer
- Die Presse, Februar 2009

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