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Begegnung zweier Bruder

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Kämpfer: Pater Georg Sporschill und Ordensbruder Xavier Raj führen Straßenkinder an der Hand in ein „normales" Leben - der eine in Rumänien, der andere in Indien

Es trennen sie Länder, Sprachen und Kulturen. Was sie aber verbindet, überwindet alle Grenzen: Sie haben sich der Hilfe der Bedürftigsten und Hilflosesten der Gesellschaft verschrieben. Den Kindern. Den Kindern der Straße.
Der Vorarlberger Pater Georg Sporschill und der indische Ordensbruder Xavier .Raj begegnen einander an diesem Aprilabend zum ersten Mal. Allerdings nicht an der Wirkungsstätte von Sporschill in Südosteuropa und nicht in der gewohnten Umgebung von Raj: den Slums von Kalkutta. Das niederösterreichische Klosterneuburg ist der Treffpunkt zweier Männer, deren Leben sich abseits des Wohlstandes abspielt.

 

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Berühren: Wenn ein Straßenkind nach seiner Hand und Hilfe greift, kann Pater Georg
Sporschill nichts anderes tun: „Es ist ein Muss"
Besinnen: Pater Xavier Raj lehrt seinen 220 ehemaligen Straßenkindern auch, wie man Konzentration und Entspannung findet

 

Mittlerweile hat der Verein „Concordia" auch in Moldawien und der Ukraine dafür gesorgt, dass mehr als 1000 Kinder ein Dach über dem Kopf, ein Zuhause, haben. Bruder Xavier, der bereits mit Mutter There-sa gearbeitet hat, hat ebenfalls nie wirklich überlegt, warum er sich in Kalkutta um jene kümmert, die nach dem indischen Kastensystem als die Parias, die „Unberührbaren", gelten: „Der erste Impuls für meine Arbeit war, als ich Zeuge wurde, wie eine Zwölfjährige um zehn Euro an einen Zuhälter verkauft wurde. In diesem Moment wusste ich, dass ich mein Leben der Rettung dieser Kinder widmen Nicht anders - aber unter anderen Vorzeichen - erging es Ö3-Lady Claudia Stöckl. Auf einer ihrer Indien-Reisen wollte ihr ein kleiner Bub ein Kamel als Schlüsselanhänger verkaufen. "Ich habe mit ihm gesprochen, erfahren, dass er nicht zur Schule geht, weil seine Eltern dafür kein Geld haben." Der Bub nahm ihre Hand und wich einen Tag lang nicht mehr von Stöckls Seite. Doch sie wusste, dass er wieder in die Slums zurückkehren wird. Zurück ins Elend.
„Diese Berührung, dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. Ich wusste, dass ich etwas tun muss."

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Begeistern: O3-Lady Claudia Stöckl mit Xaviers Schützlingen. Dank zahlreicher Patenschaften haben die Straßenkinder jetzt ein Zuhause

Seit drei Jahren engagiert sich Stöckl für den Verein „ZUKI-Zu-kunft für Kinder", der nach Kräften versucht, die Arbeit Xavier Rajs mittels Patenschaften (30 Euro pro Monat) und Spenden zu unterstützen. Waren es 2002 noch 29, sind es jetzt 220 ehemalige Straßenkinder ab drei Jahren, denen er im Kinderheim so etwas wie Familie und Geborgenheit geben kann. „Viele können nicht still sitzen, müssen die Regeln des Zusammenlebens erst neu lernen". Ohne stetige finanzielle Hilfe ist er aber hilflos.

Slumdog-Effekt
Die Erhaltung des Heims, Ernährung, medizinische Versorgung und Ausbildung der (sozial) Verwaisten, deren Mütter sich für 30 Cent prostituieren, kostet Geld. Geld, das trotz zahlreicher Wohltäter nie ausreicht. „Man muss auf das Elend aufmerksam machen. Dass viele reiche Menschen auf der Welt den Kinofilm Slumdog Millionär gesehen haben, hilft uns", so Xavier Raj. „Und den Kindern im Heim", ergänzt Stöckl. „Sie haben den Film auch gesehen. Er hat ihnen bewusst gemacht, wie ihr Leben auf der Straße war und wie es jetzt ist. Der Film vermittelt letztendlich auch Hoffnung für ihr eigenes Leben."
Unablässig und ohne Werbung macht Pater Georg Sporschill mit dem Verein „Concordia" auf das Elend in Südosteuropa aufmerksam. „Wir informieren mindestens drei Mal im Jahr unseren großen Freundeskreis und wie durch ein Wunder finden sich jedes Jahr großzügige und großherzige Menschen", erklärt der 63-Jährige. Durch ein ebensolches Wunder sitzt Georg Sporschill im Schömer-Haus der Familie Essl in Klosterneuburg, demKonzernsitz des Familienunternehmens bauMax, Xavier Raj gegenüber auf Englisch sprechen sie sich als Brüder an, tauschen sich über den Kampf gegen das Elend aus. Vor genau einem Jahr erhielt der Jesuitenpater als Erster den mit einer Million Euro dotierten Essl Social Price, der sich an Projekte von privaten Sozialinitiativen und Social Entrepreneurs richtet.
Kaum 365 Tage später steht das Haus „Casa Abraham" neben anderen „Concordia"-Gebäuden und bietet Jugendlichen ein Zuhause und eine Ausbildung. „Das Wichtigste ist, dass die Jugendlichen wieder Lernen und Arbeiten lernen, üben, sich in der normalen Welt zu b ewegen, die eige-nen Talente zu trainieren", erklärt Sporschill, denn: „Sie haben die Erziehung der Straße genossen. Das ist keine g'mahte Wiesn!" Oft gäbe es Konflikte, täglich zwängen ihn die Kinder zu Verrücktheiten. Dennoch ist der Vorarlberger glücklich, weiß, warum er auf der Welt ist. Warum? „Es gibt Menschen, die mich brauchen." Natürlich könne er fromme Sachen sagen, meint Sporschill. Aber es sei eine unmittelbare Erfahrung, die jedem möglich ist. „Wenn ein Straßenkind zu dir kommt, deine Hand berührt und sagt: ,Nimm mich mit!', dann weißt du, dass Helfen ein Muss ist. Es entspringt nicht dem sondern Hirn dem Herzen."

- Johanna Hager
- Kurier, April 2009

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