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"Presse"-Aktion: Hilfe fürs Dorf der Vergessenen
Warmes Essen und ein neues Zuhause für Waisenkinder und alte Menschen in Moldawien: Pater Georg Sporschills Hilfe zur Selbsthilfe.

 

CONCORDIA

SINESTi. Gierig stürzt sich Eugen auf das Stück Brot, das er gerade bekommen hat. Ins kleine Haus, in dem der Bub mit seiner Mutter Eugenia und zwei Geschwistern wohnt, ist gerade Besuch gekommen. Angela King, Leiterin des Concordia-Hilfsprojekts von Pater Sporschill, hat Brot und Schokolade mitgebracht. Als erste kleine Hilfe. Hilfe, die die Familie bitter nötig hat. Von den zwei Schafen, die sie besitzt, kann Eugenia ihre drei Kinder kaum ernähren. Arbeit gibt es hier schon lange keine mehr.

Eugenias Familie ist kein Einzelfall. Hier, in einem kleinen Dorf im Westen Moldawiens, geht es fast allen so. Sinesti heißt der Ort mit rund 1400 Einwohnern – das „Dorf der Vergessenen“ wird es genannt. Schon von der Abzweigung der letzten befestigten Straße weg müssen sich Autos oder – häufiger – Pferdefuhrwerke fast 15 Kilometer lang über holprige Wege mit tiefen Furchen plagen. Zwischen wackeligen Holzhäusern taucht ein junges Mädchen auf – an ihren Füßen ein staubiges Paar Inlineskates, doch die Rollen schaffen auf dem zerfurchten Lehm keine durchgehende Drehung.

3000 Menschen lebten hier, als Moldawien noch Teil der Sowjetunion war. Nach dem Zerfall der UdSSR, mit der Unabhängigkeit des kleinen Landes, ging es bergab. Die Kolchosen wurden noch bis Ende der 90er-Jahre weitergeführt, doch dann brach die Wirtschaft zusammen, die Arbeitsplätze gingen verloren. Viele wanderten ab, nach Moskau, nach Italien, nur weg von hier. Es blieben die Alten, die Frauen und Kinder.

Auch Nicu Popescu ging fort, arbeitete in Sibirien „alles Mögliche, was bezahlt wurde“. Erst vor wenigen Jahren ist der 43-Jährige wieder zurückgekehrt, um sich um seine kranken Eltern zu kümmern. Und auch um das Dorf, das ihn zum Bürgermeister wählte. Ideen, wie es mit Sinesti wieder aufwärts gehen könnte, hat er viele. Allein, Mittel dafür hat er keine. Steuereinnahmen gibt es nicht. Und so steht er am zentralen Brunnen vor der Kirche, aus dem seit Jahren kein Wasser mehr geholt werden kann: „Das Rohr, das von der Quelle auf dem Berg herführt, ist kaputt“, klagt er. Noch zu Sowjetzeiten gebaut, sind die Rohre längst durchgerostet. Geld für eine Sanierung gibt es nicht.

Kein Geld für die Heizung in der Schule

Der Kindergarten wurde vor Jahren geschlossen, das Gebäude verfällt zusehends. Die Schule, die für 400 Kinder gebaut wurde, lässt sich nicht mehr heizen, weil das Geld für die Kohle fehlt. Die etwas mehr als 100 verbliebenen Kinder ziehen Mütze und Jacke in der Klasse nicht aus. Und auch in den Häusern der Alten kann der Ofen nicht immer angeworfen werden. Man verkriecht sich unter dicken Decken im Bett, um der Kälte zu entkommen.

Um die erste Not zu lindern, hat Concordia nun eine provisorische Suppenküche eingerichtet, um den Menschen zumindest einmal am Tag eine warme Mahlzeit zukommen zu lassen. Gekocht wird noch in einer privaten Küche, die Mahlzeiten werden dann zu den alten Menschen in ihre Häuser gebracht. In einigen Wochen soll in einem alten Ambulatorium ein eigener Raum fertig sein, in dem gekocht wird – und wo die teils sehr vereinsamten Menschen auch wieder sozialen Anschluss finden.

Ein Modell, mit dem Pater Sporschills Hilfsorganisation schon an 24 Standorten in ganz Moldawien vertreten ist. Rund 280 Einheimische beschäftigt Concordia in Suppenküchen und Sozialzentren – und als Erzieher im Kinderhaus in der Hauptstadt Chi?inau sowie in der „Stadt der Kinder“, einem Dorf für rund 300 Waisenkinder.

Hier entstand erst die Initiative für die Alten. Die Kinder, denen geholfen wurde, wollten von dem, was man ihnen gab, auch etwas an die Alten weitergeben. „Pentru copii nostri“ (für unsere Kinder), das ursprüngliche Motto von Concordia, wurde um „pentru parintii nostri“ (für unsere Eltern) erweitert. Das kleine Projekt, das in Pirita mit einer Suppenküche begann, wuchs schnell, Concordia-Mitarbeiter machten auf weitere Dörfer aufmerksam, in denen die Not besonders groß war.

Neue Arbeitsplätze entstehen

Zunächst in Valeni im Süden des Landes, mittlerweile in ganz Moldawien wurden Suppenküchen eingerichtet. Schließlich begann Concordia, eigene Sozialzentren zu bauen, in denen alte, kranke und behinderte Menschen untergebracht und versorgt werden können – errichtet mit einem in Österreich entwickelten Baukastensystem, das ein Aufstellen in wenigen Wochen ermöglicht. Das zehnte Zentrum dieser Art wird am Wochenende in Tudora eröffnet, einem Dorf im Südosten. Um Alten ein neues Zuhause zu geben, warme Mahlzeiten und sozialen Anschluss. Und die Hilfe wirkt auch bei den Jungen. Für sie entstehen Arbeitsplätze – eine Hilfe zur Selbsthilfe, die eine neue Perspektive bringt. Und die auf lange Sicht dafür sorgen soll, dass Kinder wie Eugen einmal eine Chance haben. Und nicht auf ein Stück Brot warten müssen, das ihnen in einem Überlebenspaket gebracht wird.

Um Projekte wie diese umsetzen zu können, braucht Pater Sporschill Hilfe. „Die Presse“ hat ein Konto eingerichtet, auf das Sie eine Spende überweisen können. Ein Zahlschein liegt dieser Ausgabe bei.

- Die Presse, Dezember 2009

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