Es ist ein vielfach ausgezeichnetes Sozialprojekt: Im ärmsten Land Europas hat der Vorarlberger Jesuitenpater Georg Sporschill, mit großzügiger Unterstübung der österreichischen Wirtschaftselite, eine Stadt der Kinder" gebaut - am Rande des 3.000-Einwohner-Dorfes Pirita in der Enklave Transnistrien. 280 Kinder aus zerrütteten Familien haben hier ein sicheres und sauberes Zuhause gefunden. Ihre Eltern schuften schwarz in Moskau, Kiew oder Westeuropa und haben ihre Kinder zurückgelassen. Viele sind auch an den Folgen von Alkoholismus gestorben. Für die Bewohner von Pirita hat Concordia hier 120 Arbeitsplätze geschaffen.
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Dieses Lachen - Pater Georgs Kinder hatten, bevor er sich um sie kümmerte,
wenig zu lachen |
Wenn Georg Sporschill, der Pater der Ärsten, das Land betritt, dann machen ihm alle den Weg frei. Wie in Rumänien hat er auch in Moldawien armen Kindern
ein neues Zuhause gebaut. Eigentlich ist es eine ganze Stadt, die "Stadt der Kinder" eben. Aber auch alte Menschen leben in der Nähe, um die sich die Jungen kümmern. Mein erster Eindruck von diesen Kindern: Keines ist mehr traurig, obwohl sie alle keine Eltern haben - zumindest
keine, die sich um sie kümmern. Und jedes einzelne Kind verehrt Pater Georg und Hans Peter wie den Kaiser und den König. Auch mich, einen Fremden, haben sie seltsamerweise verehrt
Keine Ahnung, warum. Marcel warf mir immer wieder einen fröhlichen Blick zu. Und weil ich seine Sprache nicht konnte, zeigte ich ihm meine Kamera. Da braucht man nichts reden. Ich demonstrierte ihm einfach, wie man Bilder schießt, Marcel wollte das auch probieren, hielt aber die Kamera-falsch herum. Wir haben beide gelacht, im Essen durfte er sich als einziges von einigen hungrigen
Kindern neben mich setzen. Er fand es urlustig, dass ich mein Brot in die Suppe tunkte, und erst aS, wenn es ganz suppennass war. Er musste so sehr lachen, dass er fast die Suppe ausschüttete. Er versuchte, sich zusammenzureimen, und hatte immer ein Auge auf seine Betreuerin, um zu schauen, ob es schon Ärger gab. Wenn es brenzlig wurde, nahm ich Marcel in Schutz und sagte Angela King, dass es okay wäre (Angela ist Pater Georgs „Engel"). Wir hörten also nicht auf zu iachen, es war das einzige, was uns Spaß machte.
Ich überlegte mir, was wir noch machen könnten, also zeigte ich ihm meine Musik auf dem Nokia, was er übrigens auch nicht fassen konnte. Bei rWe will rock you" kam zum ersten Mal die Sprache ins Spiel. Ich sang ihm den Refrain vor, er sang ihn nach. Es klang zwar ein bisschen moldawiscli, aber es war ein Fortschritt. Was ich nicht fassen konnte; Dass von mehreren hundert Kindern und vielen Erwachsenen kein einziger die große Rockband „Queen" kennt. So verstanden wir uns fast ohne Worte, dafür mit Musik. Und Zeichensprache. Es gab zwischen uns kein einziges Missverständnis. Als ich nach zwei Tagen abreisen musste, sah ich Marcel, der immer so fröhlich war, das erste Mal traurig. Ich schwor mir, ihn da nicht allein zu lassen. Zurück in Österreich fühlte ich mich plötzlich wie in einem Luxushotel. Ich lebe mit meiner Familie in einer schönen großen Wohnung, während Marcel sein Zuhause mit ganz, ganz vielen Kindern teilen muss (und keine Eltern hat, die ihn lieben - Marcels Eltern sind beide tot). Ich gehe in eine der besten Schulen Wiens und lerne drei Sprachen. Marcel kann im Winter, wenn es sehr kalt ist, gar nicht in die Schule, weil sie dann kein Geld haben für die Heilung. Ich denke sehr oft an Marcel. Manchmal rufe ich ihn an, obwohl wir uns eigentlich nicht unterhalten können. Es ist schön, seine Stimme zuhören.
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| In den moldawischen Dörfern gibt es kaum Essen, keinen Strom, und wenig Holz zum Heizen. Unternehmer Hans Peter Haselsteiner investiert großzügig in Schulen und Soziatzentren |
Letzten Sommer hab ich mein Versprechen wahr gemacht und meine Eltern um einen Flug nach Chisinäu gebeten. Als ich es Angela am Telefon gesagt habe, hat sie mir Marcel gegeben und er fing vor Freude an zu lachen, wie damals, als wir unsere Suppe ausgeschüttet haben.
Wir verbrachten eine ganze Woche gemeinsam, ich schlief, noch mit fünf anderen Kindern, in seinem Zimmer, ging mit ihm zur Schule und machte mit ihm Sport. Ich lernte ein bisschen rumänisch, Marcel lernte ein bisschen deutsch.
Beim Abschied waren wir schon richtige Freunde. Marcel konnte sich schon sicher sein, dass wir uns bald wieder sehen. Und ich wusste genau, dass wir Freunde fürs Leben bleiben.
Irgendwann wird Marcel nach Wien kommen, sein Antrag auf ein Visum läuft schon. Vielleicht adoptieren ihn meine Eltern sogar. Ich würde mir das für ihn wünschen. Im Dezember besuche ich Marcel das dritte Mal. Was wünschst du dir zu Weihnachten, Marcel? „Ein Spielzeugauto", sagte mein Freund - er hat mittlerweile schon viel besser Deutsch gelernt als ich Rumänisch. Ein Spielzeugauto!! Ich wünsche mir zu Weihnachten einen LCD-Fernseher. Am Heiligen Abend werden wir sicher ganz fest aneinander denken. Was eigentlich cooler ist als jedes Geschenk...
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| Betrunken vor Emotionen. So fühlt sich Pater Sporschill (Bild links) wenn er auf seine Kinder von Pirita trifft. Alles, was sie an Geborgenheit bekommen, geben sie weiter wie ein Geschenk Marcel und Christof bei ihrem ersten gemeinsamen Essen. (Bild rechts) |
Suppenküche Nadejda, auf Deutsch „Hoffnung"
Die Republik Moldau hungert. Viele Tausende, vor allem alte Menschen, leben unter der Armutsgrenze und führen ein karges Leben. Der Tod wäre ein willkommener Gast, geben sie unumwunden zu, wenn man sie in ihren kleinen, klammen Häusern besucht. Ihre Öfen sind kalt, sie sitzen stundenlang da und frieren. Seit Pater Georg Sporschill nahe Pirita ein Kinderdorf gebaut hat, geht es auch der älteren Generation viel besser. In Suppenküchen bekommen sie wenigstens einmal pro Tag, an einer langen, schön gedeckten Tafel, eine warme Mahlzeit.
Diejenigen, die den Fußmarsch zur Nadejda (auf Deutsch „Hoffnung") nicht mehr schaffen, werden van Kindern und Jugendlichen, denen gehalfen wurde, mit .Essen auf Pferdefuhrwerken" versorgt. Und oft auch mit ein paar Scheiten Holz, damit sie es wieder warm haben. "Tausend Kinder werden einmal tausend anderen Kindern helfen" - so beschreibt Sporschill die Vision seiner Caritasarbeit.
SPENDEN FÜR DIE HOFFNUNG:
Raika Wien, Kontonummer 7.034,499 BLZ 32000 Kennwort „Moldawien"
- Kurier-Freizeit, Dezember 2009
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