Wien - Knapp vier Millionen Menschen wohnten noch vor einigen Jahren zwischen den Flüssen Prut und Dnjestr. Damals gab es noch die Sowjetunion. Doch mit dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus entstand nicht nur ein neues, unabhängiges Land in Europa, sondern in Folge von Korruption, Oli-archentum und Bürgerkrieg erhielt das Armenhaus in Europa einen Namen: Republik Moldau (Moldawien). Nichts deutet heute mehr daraufhin, dass Moldawien einst eine wohlhabende Sowjet-Repulik war. Heute leben nur noch drei Millionen Menschen in diesem Armenhaus. Der Rest ist weggegangen oder wurde durch schäbige Versprechungen weggelockt.
Was Pater Sporschill in Moldawien macht, ist schlichtweg großartig."
Franz Fischler
Zurück blieben unzählige Sozialwaisen, die in desas-rösen Kinderheimen, bei Vewandten oder auch oftmals auf der Straße ihr Auslangen finden müssen. Desillusio-niert, krank und vergessen.
Wer sich seit Jahren dagegen wehrt, das Elend achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen, ist der aus Vorarberg stammende Pater Georg Sporschill. Seit fünf Jahren stemmt er sich mit seiner rund 400-köpfigen Mannschaft der „Concordia"-Privatstiftung gegen das Elend. In Pirita, einem Dorf nahe der Grenze zu Transnistrien, hat Concordia eine „Stadt der Kinder" für 300 Waisen errichtet. Zudem baute der 63-jährige Geistliche eine Grundversorgung für 4600 alte Menschen durch 34 Suppenküchen „Casa Nadejda" (Haus der Hoffnung) im Land auf. Die Arbeit wird zu 100 Prozent durch Spenden - zum Großteil aus Österreich - finanziert. Großzügig unterstützt wird er dabei von Hans-Peter Haselsteiner, der mit seinem Konzern Strabag für den Bau zahlreicher Sozialeinrichtungen verantwortlich zeichnet.
Die Republik Moldau befindet sich in einem katastrophalen Zustand,
doch niemand interessiert sich dafür."
Pater Georg Sporschill SJ
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Das Armenhaus Europas. Mit Pferdegespannen werden in Moldawien
die Suppenküchen „Casa Nadejda" beliefert. |
Doch Sporschill weiß, dass dies alles nicht genug sein kann. Er verfolgt einen Plan. Und den trägt er mit den funkelnden Augen eines Engagierten vor, dass es fast einem Frevel gleichkommt, nicht an dessen Realisierung zu glauben. Er will, dass Österreich eine Art Patenschaft für das ärmste Land Europas übernimmt. Und hierfür soll eine Lobbying-Gruppe aktiv werden. Und Sporschill hat namhafte Unterstützung: „Der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer übernimmt den Vorsitz. Er wird unterstützt vom früheren Vizekanzler Wilhelm Molterer und vom früheren EU-Kommissar Franz Fischler. „Alle haben sofort Ja gesagt, als ich sie um Unterstützung gebeten habe", sagt Sporschill der Tiroler Tageszeitung. Die Aufgabe soll schlichtweg sein, für Projekte Geld aufzutreiben. Die ehemaligen Spitzenpolitiker der Republik sollen zudem ihren Einfluss geltend machen, um als Türöffner zu fungieren, damit wirtschaftliche Kontakte hergestellt werden können, damit sich vielleicht Betriebe dort ansiedeln, so der Traum des Paters.
Molterer will sein Engagement gar nicht an die große Glocke hängen. Nur so viel sagte er der Tiroler Tageszeitung: „Man muss einfach für Moldawien etwas tun. Das ist sonst eine Schande für Europa." Und der frühere EU-Kommissar Franz Fischler nennt das Engagement von Pater Georg Sporschill „schlichtweg großartig".
Der Strabag-Chef Haselsteiner war es, der seinen Freund Gusenbauer mit Sporschill zusammenbrachte. Pater Sposchill und der langjährige SPÖ-Chef entdeckten sogleich eine gemeinsame Wellenlänge.
Von Michael Sprenger
- Tiroler Tageszeitung, Februar 2010 |