Pater Georg Sporschill, ein österreichischer Jesuit, kümmert sich seit zehn Jahren um rumänische Straßenkinder.
BUKAREST. Sie sind Verprügelte, Verstoßene, Verzweifelte. Sie wurden verjagt aus einem tristen Zuhause, in dem das Geld gerade dazu reichte, daß Vater oder Mutter ihren Kummer in Schnaps ertränken konnten. Auf den Straßen Rumäniens fristen sie nun ihr Dasein, schlüpfen in Kanalschächten unter, betäuben den Schmerz mit Lackdämpfen.
Etwa 5000 Straßenkinder soll es allein in Bukarest geben. Sogar bei den EU-Beitrittsverhandlungen Rumäniens spielt das Problem eine Rolle. Da sich die staatlichen Institutionen - aus Geld- und Personalmangel - nicht um alle kümmern können, springen private, humanitäre Organisationen ein.
Eine davon ist der Sozialverein CONCORDIA des österreichischen Jesuiten, Pater Georg Sporschill. Seit genau zehn Jahren hilft er den ärmsten - weil jüngsten - Rumänen. 400 Kinder leben heute in den Häusern seiner Organisation, 300 werden "ambulant" betreut.
Und bald schon sollen noch mehr ein Dach über dem Kopf bekommen. Dann nämlich, wenn die "Stadt der Kinder", Sporschills neuestes Projekt in Ploiesti, fertiggestellt ist. 100 Kinder werden dann in acht Familiengruppen in vier Häusern mit den Namen Montafon, Uniqa, St. Leopold und St. Augustin leben. Das Projekt umfaßt auch eine Sport- und Gemeinschaftshalle und Räume für die Berufsausbildung. Im März nächsten Jahres soll feierliche Eröffnung sein. Rumäniens Premier Adrian Nastase war schon da, um sich über die Fortschritte bei den letzten Handgriffen zu informieren.
Die in hellem Holz gehaltenen, freundlichen Häuser heben sich wohltuend von der eintönigen Landschaft ab. Auch Babys sollen hier künftig liebevoll gepflegt werden. CONCORDIA will sich aber bis zum Erwachsenwerden um sie kümmern. Denn der Betreuungsansatz von Pater Sporschill ist umfassend. Die Schützlinge werden bis zur Selbständigkeit und zur Existenzgründung betreut. Auf der "Farm der Kinder" in Aricesti können sie einen Beruf erlernen.
"Mein Vater war fast immer betrunken und hat sich schrecklich aufgeführt. Er hatte keinen Grund, mich zu schlagen, aber er hat es jeden Tag getan. Er hat seinen Gürtel heruntergenommen und mich geprügelt, bis es nicht mehr ging", schildert der 12jährige Cristi die Anfänge seines Leidensweges. Irgendwann flohen sein Bruder Ionut und er vor dem gewalttätigen Vater. Die beiden Buben landeten auf den Straßen Bukarests und wären dort auch geblieben, wenn sie nicht vor sechs Jahren ein Mitarbeiter von CONCORDIA aufgelesen und in einem Haus des Sozialvereins untergebracht hätte. Heute sagt Cristi: "Ich weiß, daß alle Erzieher das Beste für uns wollen. Für alle danke ich dem lieben Gott."
22. Dezember 2001 |