Marcel erzählte seine Geschichte. "Nach dem Tod meiner Mutter hat der Vater das Haus angezündet und mich mitgenommen. Wir waren viele zuhause, zwölf. Eine Schwester haben sie weggegeben, an eine Familie in einem anderen Land. Der Papa hat manchmal gearbeitet und er hat viel getrunken." Gelebt haben sie am Bahnhof in Arad. Marcel musste viel betteln, für eine Fahrkarte nachhause. Bis er den Papa für immer aus den Augen verloren hat. Mit anderen Kindern ging er in den Kanal in Bukarest, um den Winter zu überleben. Bis ihn die Sozialarbeiter von CONCORDIA aufspürten.
Marcel ist eines von 100 Kindern, die nun in der neu gegründeten "Stadt der Kinder" in Ploiesti, rund 70 Kilometer nördlich von Bukarest, ein Zuhause gefunden haben. Am Sonntag wurde das bemerkenswerteste Projekt von Pater Georg Sporschill mit den prominenten Förderern des CONCORDIA Vereins eröffnet.
Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll, Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, Klosterneuburgs Probst Bernhard Backovsky waren mit dem früheren UNIQUA-Boss Herbert Schimetschek und Kika/Leiner-Chef Herbert Koch nach Rumänien gereist. Die Bedeutung des Anlasses unterstrich Staatspräsident Ion Iliescu mit seiner Anwesenheit.
Am Rand von Ploiesti gelegen, umfasst die "Stadt der Kinder" vier neue Wohnhäuser - Casa St. Leopold, Casa St. Augustin, Casa Uniqua, und Casa Montafon - sowie eine Sport- und Werkhalle.
Von Tristesse keine Spur. Tausend Kinder in bunten Gewändern und mit CONCORDIA-Fahnen in den Händen feierten, als die prominenten Gäste in der Kinderstadt eintrafen. Sogar das Wetter war dem Anlass entsprechend strahlend-sonnig.
"Wir haben Hoffnung in ein hoffnungsloses Leben gebracht", begründet Landeschef Pröll das Engagement Niederösterreichs.
Der Landespolitiker sprach zugleich von den berührendsten Momenten". Beim Besuch im Baby-Haus suchten die kleinsten Bewohnen - Sporschill spricht von den "Herzensbrechern" der "Stadt der Kinder" - sofort den Körperkontakt zu den Besuchern.
Die etwas Größeren wollten ein Gespräch. An der Hand des Paters marschierte ein kleine Bub durch die Kinderstadt. Er suche den Direktor, wolle sich artig benehmen und die Schule besuchen. "Ich möchte hier aufgenommen werden", erzählte er Raiffeisen-Boss Konrad. Der Bub, der bisher im Kanal in Bukarest gelebt hat, ist nun ein neuer Stadtbewohner.
Für Pater Sporschill ist dies der Alltag. "Wie viele Straßenkinder es in Rumänien gibt, weiß niemand." Dass sein Projekt derart große Unterstützung in Österreich gefunden hat, ist auf sein unermüdliches Engagement zurückzuführen. Früher hatte Versicherungsboss Schimetschek Sporschills Obdachlosen-Initiativen unterstützt. Auch mit kirchlicher Hilfe wurden in den vergangenen Jahren neue Kontakte zu Politik und Wirtschaft geknüpft.
9. März 2002 |