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Sporschill ist Realist, studierter Psychologe. Da gibt es kein X statt einem U. Nur den Bibelspruch: "Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt."

Moldava, Zum Kuckuck, wo liegt das? Die Internet-Suchmaschine google sagt, zwischen Rumänien und der Ukraine. Die ehemalige Moldauische Sozialistische Sowjetrepubilk sei jetzt eine Parlamentarische Demokratie. Präsident Vladimir Voronin lege Wert auf enge Beziehungen zu Russland, aber auch auf gute Freundschaft zu den EU-Nachbarländern Rumänien und der Ukraine. Moldava gilt als eines der ärmsten Länder Europas. 15 Euro Monatslohn. Sie kennen sich aus?

In Moldava ist Jesuitenpater Georg Sporschill jetzt stationiert. Genau richtig für einen, der nie dorthin geht, wohin ihn die Lust treiben würde, sondern immer dorthin, wo er gebraucht wird. Das ist sein "Glücksprinzip", von dem er "seinen Kindern" gern erzählt. Ein Prinzip, das er nicht ohne Ehrgeiz verfolgt hat: "Ich hab mich nie um einen Job beworben, aber wenn's einen gibt, den niemand haben will, nehm ich ihn." Das sei nicht nur eine Frage von außen, auch von innen. Sporschill bekam den Zivilgesellschaft-Preis, den Kardinal-König-Preis, den Bruno-Kreisky-Preis und mehr. Oft wurde er als Leiter "großer Organisationen" vorgeschlagen (das muss wohl die Caritas sein), doch er fand, er sei Sozialarbeiter, die Straße sein Feld, das Obdachlosenheim sein Asyl, da gehöre er hin.

Pater Sporschill ist der einzige Jesuit in der Moldauerrepublik. Mit Hilfe von Präsidentenfrau Voronina will er nach dem Muster der Sozialzentren, Kinderhäuser, Lehrwerkstätten und Wohngemeinschaften, die er in Rumänien durchgeboxt hat, nun eine Stadt der Kinder in Chişinău aufbauen. Die Voronina besichtigte die rumänischen sozialprojekte von Sporschills Kinderhilfsverein CONCORDIA. "So was brauchen wir auch", fand sie.
Fehlt mehr oder weniger das Geld. Eher mehr. Aber auch diesbezüglich ist Pater Georg Sporschill guten Mutes. Ihn "tragen" nicht nur die alten Mitbrüder seines Ordnes: "Sie beten für mich und fragen mich über meine Arbeit aus. Auf ihre Fragen könnte ich nicht verzichten." Er wird auch von Freunden und Freundinnen getragen, die guten Willens sind, mit ihm ein Werk zu vollbringen. Zum Beispiel Raiffeisen-General-Anwalt Christian Konrad. Der sei ein "Halter" - "um mit Erhard Busek zu reden. Andere wollen eine Medaille und wenn sie keine kriegen, drehen sie dem Projekt den Rücken. Konrad hat die Staatsoper gemietet, um Benefiz-Schillinge für meine Slum-Kinder einzubringen. Er hat den Rotary Club Wien-Ring motiviert, mir vor 20 Jahren ein Frauenhaus in Wien und später die CasaAustria in Rumänien zu bauen. "Für die moldauischen Kinder will Christian Konrad dem Pater den Weg zur Baufirma strabag ebnen, auch war seine Frau Rotraut schon auf Lokalaugenschein in Chişinău.
Natürlich wurde der Jesuitenpater Mitglied des Rotary Clubs, aber er sieht sich lieber als Brückenbauer zwischen Straßenkindern und denen, die sie behausen. Nach dem Tod Kardinal Königs ließ Sporschill ein Gebet des großen alten Mannes "für Peter Georg" und ein Foto drucken, auf dem die Bukarester Kinder den Kardinal fröhlich umringen und berühren. "Das brauchen sie, Berührungen, Zuwendung, Zeit, ein Zeichen von Liebe. Sie beten jeden Abend für ihre Freunde und Wohltäter, und die freuen sich darüber. Es ist ein Austausch. Von Emotionen, Liebe, Geld. Wie Sie das nennen, ist mir egal." Sporschill ist Realist, studierter Psychologe. Da gibt es kein X statt einem U. Nur den Bibelspruch: "Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt."

Stopp. Georg Sporschill ist ein fescher Mann. Ein glänzender Redner mit diplomatischen Talenten. Magister der Theologie und Doktor der Philosophie. Warum trat er mit 30 in den Jesuitenorden ein? Der Nachfahr eines Prager Bürgermeisters, gebürtig aus Feldkirch in Vorarlberg, lacht: "Ich bin seit 28 Jahren Jesuit. Fragen Sie einen, der 50 Jahre mit derselben Frau verheiratet ist, und er weiß auch nicht mehr, wie und warum." Aber natürlich gibt es klare Gründe: "Der Jesuitenorden baut auf Flexibilität. Ich bin Ordensmann geworden, weil ich nicht bürgerlich leben wollte. Ich habe nichts anderes, als das, was ich bin und tu."
Außerdem trat er gemeinsam mit einem guten Innsbrucker Studienfreund ein - der inzwischen verheiratet, evangelischer Pfarrer und noch immer sein Freund ist. Sporschill verzichtet auf Familie, erdete seine Leidenschaften in Jugend und Sozialarbeit. Als er für die Caritas mehrer Obdachlosenhäuser aufbaute, nannte man ihn den "Sandlerpapst von Wien". "Jeder muss in dem Wasser schwimmen, in das er gehört", sagt er, "mir begegnen nur spannende Geschichten, Mord, Tod, Drogen inklusive. Weinen und Lachen liegen nah beinander. Ja", stimmt er zu, "an guaten Magen, guate Nerven braucht man. Aus manchen Slumkids kannst kann Bürger und kan Haustier machen. Eher bringst du sie und dich um. Das hat man sich ursprünglich auch anders vorgestellt, selbst wenn man aus einer Familie von neuen Kindern kommt. Aber so was schützt vor Hochmut. Und wer einmal im Jahr Exerzitien macht, ist so mit Gott verbunden, dass er die Suppe auslöffeln kann, die er sich auf den Teller tut."

Der Orden setzt auf den Einzelnen und dessen eigene Kraft. Für sechs Monate sollte Pater Georg nach Rumänien gehen. "Erschrocken wär i, hätt mir wer g'sagt, dass es 13 Jahre werden. Heute bin ich rumänischer Staatsbürger und dankbar, dass mir mein Beruf so ein sattes, volles, pralles Leben schenkt. Solang man von seiner Aufgabe elektrisiert ist, steht man unter Strom." Die tägliche Messe stellt die innere Ruhe wieder her. "Der liebe Gott drängt mri alle Hilfe auf. Ich bin froh darüber."
Trotzdem fehlt Sporschill noch ein Lehrer, der ihm drei Jahre lang in Moldava hilft. 650 Kinder sind zu sozialisieren, ihre Eltern sind tot oder arbeiten im Ausland. Bei Ministerin Gehrer war er schon. so jemand wie Ruth Zenkert, die Leiterin von CONCORDIA in Rumänien, wäre ideal, "die zählt mindestens für drei Jesuiten." Da Pater Georg "nie Ruh gibt, wenn i was will", wird er seinen Lehrer finden. Wie er ein Europahaus in Bukarest realisieren wird, wo junge Österreicher die Chance bekommen sollen, die andere Seite Europas kennen zu lernen und sich sozial zu engagieren.

Schließlich versammelt er auch zu den Montags-Bibelstunden in der Wiener CONCORDIA-Stiftung Manager und Obdachlose. Einmal im Monat liest Sporschill selbst. "Man muss doch seine Ideologie ein wenig pflegen. Sonst besteht die Gefahr, sich selbst zum Maß der Dinge zu machen. Dabei verliert man den Horizont."

- Der Kurier, April 2004

 

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