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"Es hat sich unglaublich viel getan"

Das Stift Klosterneuburg besuchte in der Vorwoche die Hilfsprojekte von Georg Sporschill.

 

Für ihn ist es jedes Jahr einer der schönsten Gottesdienste: Wenn Stiftskämmerer Dr. Walter Simek in der „Stadt der Kinder“ im rumänischen Ploiesti die Messe zelebriert, herrscht eine Stimmung vor, die er sonst nur selten erlebt: „Der Raum voller Kinder, die mit so viel Liebe und Glauben mitfeiern, das erlebe ich in Österreich nur sehr selten“. In der Vorwoche konnte es der Klosterneuburger Chorherr einmal mehr erleben. Bei der jährlichen Visite des Stifts bei den Sozialprojekten von Jesuitenpater Georg Sporschill in Rumänien und Moldavien.
Viel hat sich getan, als der Jesuit für ein paar Monate, wie es hieß, nach Rumänien abberufen wurde. Das war vor 17 Jahren. Mittlerweile hat er eine Stadt der Kinder gebaut, eine Farm, auf der Jugendliche eine Berufsausbildung bekommen, mehrere Sozialhäuser in Bukarest, eine weitere Stadt der Kinder in Moldavien und noch vieles mehr.

Straßenkinder: Von 300.000 auf „nur“ mehr 25.000
„300.000 Straßenkinder waren es zu Beginn, jetzt sind es nur mehr 25.000. Aber damit noch immer viel zu viele“, lässt der Jesuit nicht locker. Denn wenn er über den Platz vor dem Bukarester Nordbahnhof geht, strömen die jungen Obdachlosen noch immer aus allen Richtungen her, um „Papa Georg“ die Hand zu drücken, von ihm tröstende Worte und eine warme Mahlzeit zu bekommen.

Ihnen stehen mittlerweile verschiedenste Hilfseinrichtungen offen, die der Geistliche mit Hilfe des Stifts Klosterneuburg aus dem Boden stampfen konnte. Mehr als 2,7 Millionen Euro haben die Chorherren in den letzten acht Jahren an das Hilfswerk „Concordia“ von Pater Sporschill überwiesen. Ein eigenes Haus, das „Casa Augustin“, haben die Chorherren in der rumänischen Stadt der Kinder finanziert, die laufenden Kosten tragen sie ständig. „Diese Hilfe ist eine sehr große und wichtige für uns. Das Stift hat uns in den letzten Jahren viel gegeben. Materielles, aber auch Immaterielles, wie Besuche und Gebete“, ist Sporschill dankbar. Wie die betreuten Kinder, die Stiftskämmerer Dr. Walter bei seinem Besuch nie aus den Augen verlieren, immer um ihn herumtollen.

„Freude, wo vorher so viel Leid herrschte“
„Der alljährliche Besuch hat für mich schon etwas Besonderes, so viel Freude zu sehen, wo noch vor wenigen Jahren so viel Leid herrschte“, ist der Geistliche beeindruckt.
In diesem Jahr mit dabei ist auch Stifts-Controller Mag. Andreas Gahleitner. Auch er ist nicht zum ersten Mal da, auch er hat in Rumänien schon viel gesehen. Vor allem, als er vor sieben Jahren drei Monate direkt vor Ort in der Stadt der Kinder mitarbeitete. „Wir haben damals zwölf Babys aus einem staatlichen Kinderheim abgeholt und in die Stadt der Kinder gebracht. Sie waren im Heim in einem Saal mit 600 Babys untergebracht, die sogar das Schreien verlernt hatten. Weil es ihnen nichts gebracht hätte, weil sich niemand um sie kümmern konnte“, erinnert sich der Manager zurück.

Aus stillen Babys wurden tanzende, fröhliche Mädchen
Und kann es kaum glauben, als er den beiden Mädchen plötzlich wieder gegenüber steht: Die beiden sind zu quietschvergnügten Siebenjährigen herangewachsen, die den Besuch aus Klosterneuburg mit einem Tanz begrüßen. Und nur wenige Momente später hat Gahleitner die beiden wieder am Arm. So wie vor sieben Jahren. Und dennoch ganz anders: „Das waren Kinder ohne Zukunft. Und jetzt sind es lebensfrohe kleine Mädchen, denen die Welt offen steht und die voll Optimismus nach vorne blicken. Das zu sehen, ist wunderbar“, macht der sonst kühle Rechner keinen Hehl aus seiner Rührung.

Doch auch wenn sich in den acht Jahren, in denen sich das Stift in Rumänien und Moldavien engagiert hat, unheimlich viel gebessert hat, ist die Not noch lange nicht besiegt. „In Moldavien gibt es sehr viele alte Menschen in den Ortschaften, um die sich niemand kümmert, die alleine und ohne Hilfe dastehen. Denen wollen wir durch Sozialhäuser und Suppenküchen helfen“, erklärt Sporschill sein nächstes Projekt. Und erntet von der Stifts-Delegation einen verstehenden Blick: Denn auch künftig werdem die Klosterneuburger Chorherren keineswegs daran denken, ihr Engagement zurückzuschrauben.

DIE HILFSAKTION DES STIFTES
Im Sommer des Jahres 2000 beschloss des Konvent des Stiftes Klosterneuburg, sein soziales Engagement auf ein Projekt zu konzentrieren und dieses entsprechend zu untersützen. Nach Vorarbeiten konnte dieses Sozialprojekt „Ein Zuhause für Straßenkinder“ zum Leopoldifest 2000 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Das Stift stellt jährlich einen Betrag in der Höhe von zumindest 250.000 Euro für die laufenden Kosten wie Verpflegung, Ausbildung und Erhaltung der Gebäude zur Verfügung. Dieser Betrag wird aus den Ergebnissen der Wirtschaft des Stiftes Klosterneuburg sowie durch zusätzliche Spenden von dritter Seite aufgebracht. Die Spenden gehen zur Gänze ohne jeden Abzug gleichfalls an das Projekt. Die gesamten anfallenden Kosten wie etwa Personalkosten, Reisespesen oder Werbeaufwand werden zusätzlich vom Stift getragen. Für die Verwendung der Spenden, für die Spendenwerbung und für den Datenschutz sind die Funktionäre des Sozialprojektes verantwortlich.

- Stephan Fuchs
- NÖN, Juni 2008

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