P. Georg Sporschill SJ hat selbst zahlreiche Jugendgruppen gegründet. Im KIZ-Interview erklärt er, was gewinnbringende Ansätze in der Jugendarbeit sind.
KIZ: Viele junge Menschen haben mit der Kirche nichts am Hut. Was kann die Kirche tun, um wieder mehr Jugendliche zu gewinnen?
Sporschill: Fragen, was die Jugendlichen interessiert, wo der Schuh drückt! Das heißt: Das Gespräch suchen und achtsam sein. Wir haben öfters den Fehler gemacht, Antworten zu geben, nach denen keiner gefragt hat, zum Beispiel zum Thema Sexualität. Ohne auf die Betroffenen, auf die handelnden Personen zu hören, werden wir keine neuen Wege finden. Warum wird in Österreich jede zweite oder dritte Ehe geschieden? Eine Frage, die die Jugend lösen muss. Hoffentlich mit unserer Hilfe.
Was ist der richtige Ort, um Jugendliche anzusprechen?
Überall, wo wir ihnen begegnen. Die Lehrer in der Schule, die Sozialarbeiter in Notsituationen, die Eltern in der Familie, am wichtigsten sind die Freunde. Die Jugendlichen, die zur Kirche gehören, sind die ersten Missionare für die Jugend. Jugendliche können Jugendliche gewinnen. Am Beginn ist es fast immer eine Freundschaft zwischen zwei Menschen oder eine kleine Gruppe. Jesus hat zwölf Jugendliche angesprochen und aus ihnen Apostel gemacht. Wenn ich einen Jugendlichen gewinne, der ein "Häuptling" ist, dann habe ich alle gewonnen.
Ist soziales Engagement ein Ansatzpunkt, um Jugendliche für die Kirche zu begeistern?
Der Idealismus der Jugendlichen ist unsere große Chance. Die Aufgabe der Kirche ist es, den Menschen in materiellen und persönlichen Nöten zu helfen. Der Papst hat beim Treffen mit den Ehrenamtlichen in Wien die Zauberworte ausgesprochen: "Ich brauche dich!", "Du kannst das!" Diese Worte bekommen erst Kraft, wenn wir uns von der Not um uns herum ergreifen lassen.
Welche Bedeutung haben große Events in der Jugendseelsorge, wie zum Beispiel find-fight-follow-Messen?
Ich bin kein Mensch von Events. Sie können vielleicht eine gute Stimmung schaffen. Genauso die Musik und "Angebote". Doch die Kirche kann nur von unten wachsen: wenn ich Jugendliche direkt anspreche, in der kleinen Gemeinschaft, in der Antwort auf eine persönliche Frage, in der Hilfe, wo sie gesucht wird. Jugendseelsorge wird vor allem Jugendliche zur Mitarbeit provozieren.
Welche Angebote brauchen Jugendliche in den Pfarren?
Ich frage umgekehrt: Wo brauchen die Pfarren die Jugendlichen? Wie können wir den Ball den Jugendlichen zuspielen? Wenn ein Jugendlicher säuft und süchtig ist, sucht er - was? Wenn er sich umbringt, hat er keinen Freund. Wenn jemand erste Hilfe geben kann, sind es die Jugendlichen, dann erst die Erwachsenen und Spezialisten. Sie können nur unterstützen und den Jugendlichen, die eine Aufgabe übernommen haben, die notwendigen Dinge lehren: Wie gewinne ich einen Freund? Wie leite ich eine Gruppe? Wie kann ich Zeugnis von meinem Glauben geben?
Paul Stütz,
KIZ Ausgabe 2007/39 |