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Die zweite Meile
Ein Leben mit Hoffnungskindern

Verfasser: Georg Sporschill SJ

Verlag Carl Ueberreuter
14.3 x 21.5 cm
208 Seiten - 40 farbige Abbildungen
EUR: 22,95 CHF: 40,20

ISBN: 3-8000-7211-4
ISBN: 978-3-8000-7211-8

Seit mehr als 15 Jahren kümmert sich der Jesuitenpater Georg Sporschill um Straßenkinder in Rumänien und der Republik Moldau. Er leitet das international geschätzte karitative Großunternehmen Concordia und hat in all der Zeit eine Erfahrung gemacht: Inneren Reichtum und Zufriedenheit erlangt man durch soziales Engagement. Durch sein Tun ist er vielen Menschen ein Vorbild geworden. Pater Sporschills Buch ist ein Bekenntnisbuch. Und es ist eine Aufforderung zum Mitmachen und zum Nachdenken über das wirklich Wichtige im Leben ...

"Jede Frage führt in die eigene Biographie und hilft - wenn man ehrlich zu sich selbst ist - Situationen aus der Vergangenheit klarer zu sehen und zu verarbeiten, um daran schlussendlich wieder wachsen zu können"

Gewinn, Dezember 2006

 

"...Und so ist sein Buch auch eine Aufforderung zum Mitmachen und zum Nachdenken über das wirklich Wichtige im Leben."

Wiener Zeitung, 31.10.2006

 

Auszug:

So entsteht Concordia: Zwei Herzen werden zusammengebracht. Doch wir müssen eine Atmosphäre
schaffen, in der die beiden einander nicht schädigen -
die Straßenkinder sind ja viel stärker und gewitzter als
unsere Wohlstandskinder -, sondern stark machen. Concordia bedeutet, dem allen einen positiven Drall zu geben, damit der eine dem anderen hilft. In Situationen der Überforderung ist es auch wichtig, dass unsere Helfer in ein spirituelles Haus kommen, in dem es eine Gemeinschaft gibt, in dem sie mit anderen reden können. Etwas, das mit einer Supervision oft künstlich erzeugt wird, schafft hier der Alltag ganz von allein.
Die rumänischen Kinder haben dabei zum ersten Mal das Gefühl, einen Vater, eine Mutter, einen Bruder, eine Schwester zu haben, und die Neunzehnjährigen, die bis dahin nur die Eltern kritisiert und nicht gewusst haben, was sie wollen, haben plötzlich Verantwortung zu tragen. Sie bekommen einen Blick für ihre Geschichte und ihren Reichtum und erkennen ihre innere Stärke: Ich kann wirklich ein Leben retten. Dieses Erlebnis ist wie eine Knospe, die aufspringt, und plötzlich ist die Blume da.
Nach einem Jahr kehren die Jugendlichen heim, haben schwer gearbeitet, eine fremde Sprache gelernt, einfach gelebt, viele Schwierigkeiten überwunden und ein Leben geführt, das sie an die Grenze brachte. Sie kehren heim als erwachsene Menschen, die um ihren Reichtum wissen und darum, was sie bewegen können. Wer hat hier wem mehr geholfen? Es ist zumindest ein Austausch, bei dem die einen die anderen groß gemacht haben.
Oft kann ich beobachten, wie die Straßenkinder unsere Wohl-Standskinder mit Fröhlichkeit anstecken und dankbar machen.
Plötzlich wissen die jungen Ausländer, was es heißt, in einem Bett schlafen zu können, eine Familie zu haben. Sie haben ihr eigenes Glück zu sehen gelernt. Diesem großen Glück gegenüber wird manches Problem, mit dem sie von zu Hause weggegangen sind, klein. Erwachsen gewordene, selbstständige Kinder kehren zurück und die Eltern können es gar nicht glauben, wie sich ihr Sohn oder ihre Tochter verwandelt hat. Die Berührung
der Not hat sie durch das Nadelöhr geschleust.
Am Nadelöhr zwischen Reichtum und Himmelreich stellt sich mit neuer Aktualität die Aufgabe, Hilfsbereitschaft zu wecken und zu ermöglichen. Das wachsende Europa bietet unserer Jugend viele Gelegenheiten, die Not zu berühren und etwas zu tun. Trotz allen Wohlstands fehlt es auch bei uns nicht an Nöten, aber diese Not ist oft verdeckt. Oder die Menschen sind verschreckt, wenn sie einem Obdachlosen oder Fremden begegnen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite des Nadelöhrs sehe ich die Jugend, die auf einen Ruf wartet, das Mädchen, das ein Leben retten will: Sie wollen helfen. Sie suchen Freunde. Als entscheidende Aufgabe erscheint mir heute, dass wir der Jugend, die wir und unsere Eltern reich gemacht haben, einen Weg durch das Nadelöhr öffnen. Im Wohlstand und Sozialstaat müssen wir der Jugend helfen zu helfen. Das verlangt von uns, dass wir die Augen aufmachen und hinschauen auf die Wunden unserer Gesellschaft. Dann können wir der Jugend mit Überzeugungskraft sagen: Wir brauchen euch. Aus dieser Zumutung wächst Freundschaft.
Mein größtes Anliegen ist es, mitzuhelfen bei der Anregung eines neuen sozialen Engagements. Es müsste uns gelingen, einzelne Jugendliche fähig zu machen, Verantwortung zu übernehmen und sozial zu handeln. Der Gedanke, dass wir Christen nicht jammern, sondern unser Selbstbewusstsein entdecken sollten, ist vielleicht elitär. Doch dieses Selbstbewusstsein kommt aus unserer Berufung, als Werkzeuge Christi handeln zu dürfen. Jungen Menschen eine Chance zu geben, das zu erproben, das ist mein größtes Anliegen.
Als Ordensmann bin ich von vielem befreit. Ich habe den Luxus, dorthin gehen zu dürfen, wo die Not am größten ist. Ich habe das Glück, meinen Arbeitsplatz am Nadelöhr zwischen den Generationen, zwischen Reich und Himmelreich zu haben und für Durchlässigkeit zu sorgen. Von diesem Punkt geht unendlich viel Lebensfreude aus.
Georg Sporschill SJ

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