Entwicklungshilfeprojekt
mit vielfältigem Nutzen.
Auszug aus einem Bericht aus der Republik Moldau von OSCE-Wahlbeobachter Hans Kohler.
Im April 2009 war ich als internationaler Wahlbeobachter bei den Parlamentswahlen in
Moldawien im Auftrag der OSCE im Einsatz. Ich nutzte die Gelegenheit, die Projekte von
P.Georg Sporschill zu besuchen.
Ich sah und erlebte etwas, das über ein Sozialprojekt zur Linderung von Not hinausgeht.
In diesen Projekten hat man mehr daraus gemacht – nachhaltig hinein in alle Altersschichten.
Persönliche Eindrücke.
Angela King, die Leiterin aller Projekte in Moldawien, holt mich beim Hotel ab. Ein
kurzer Fußmarsch zu einer ehemaligen kleinen Pension mitten im Zentrum von Chisinau,
von P.Sporschill erworben und grundlegend saniert. 20 Kinder und Jugendliche haben
hier ein Heim – vor allem solche, die von außen kommen und berufsbildende oder höhere
Schulen besuchen. Alles strahlt – nicht nur die Augen der Kinder, auch die Räume und
Einrichtung – blitzsauber und gepflegt spürt man den guten Geist der hier herrscht.
Voller Freude zeigt da die kleine Katja ihre Stick- und Näharbeiten. Sie möchte einmal
Schneiderin werden, sagt sie voller Begeisterung über die Möglichkeiten, die sie hier hat.
Dann mit dem Auto nach Pirita zur „Casa Nadeschda“. Haus der Hoffnung, so heißt das.
Und Hoffnung geben, das ist hier wichtig. Liegt doch Pirita in der Mäanderschlinge des
Nistru, auch Dnjestr genannt, des Grenzflusses zur abgespaltenen de-facto-Republik
Transniestrien. Geografisch gehört es zu Transnistrien, rechtmäßig aber zu Moldova.
Auf dem Weg ins Dorf fährt man auf der Strasse an Panzern und russischen Soldaten mit
umgehängter Kalaschnikow vorbei. Eines der vielen ungelösten Probleme in diesem Land.
 |
Hoffnung haben die alten Menschen bekommen, die hier in der ersten Suppenküche, die Sporschill vor rund vier Jahren eingerichtet hat, täglich eine warme Mahlzeit bekommen. An die 80 Frauen und Männer sind es, die Hälfte davon kann noch selber herkommen, den anderen wird das Essen gebracht. |
Mit Fahrrädern oder dort, wo dies die Wege nicht zulassen, mit Pferdewagen. Volontäre werden sie genannt, diese oft jungen Angestellten. Arbeitsplätze in einer Gegend, die sonst nichts hat. Nichts außer der Landwirtschaft, für die es nur schwer einen Markt gibt.
| Auch hier dasselbe grundsätzliche Bild wie in Chisinau – alles in einem wunderbaren
Zustand, liebevoll kümmert sich die Leiterin um die alten Menschen. Wenn man bedenkt,
dass die Kosten für 80 Personen pro Tag inclusive der gesamten Infrastruktur nicht mal
100 € ausmachen – dann sieht man, wie man mit eigentlich wenig Geld viel erreichen
kann. |
 |

|
Die Suppenküche bietet Verpflegung für 80 bis 100 Menschen. Übrigens: solche uppenküchen gibt es mittlerweile 23 im ganzen Land. Erreicht wird darüber hinaus , dass
die älteren Menschen einen Ort haben, wo sie sich zusammenfinden können – wo sie gerade im Winter, wo sie sich zu Hause das heizen nicht leisten können aufwärmen. |
Elena hat eine Rente von 400 Lei, rund 30 €. Und das in einem Land, wo man zum Leben und zum Heizen über 100 € jeden Monat brauchen würde. Da ist die Suppenküche von Pater Sporschill Teil des täglichen Überlebens.
| Dasselbe Bild auch in Dorotcaia, auch hier eine Suppenküche, auch hier Menschen, denen
nicht nur die Suppe gut tut. Auch die menschliche Fürsorge. Diese Suppenküche ist in
einem Trakt eines Sanatoriums eingerichtet. Das Sanatorium ist morbide, die Suppenküche strahlt. Wie deren engagierte Leiterin, deren Tochter nach der Schule vorbeikommt um als Volontärin mit dem Fahrrad das Essen auszutragen. |
 |
Zum Überleben gehören aber auch noch andere Spenden, die gesammelt werden. Kleider
beispielsweise. Die werden aber nicht einfach nach dem Gießkannenprinzip verteilt.
Zugeteilt werden sie jenen, die es auch brauchen. Hiefür gibt es ein eigenes
Spendenlager mit eigener Verwaltung. Stolz zeigt die junge Tatiana ihr Lager – fein säuberlich sind beispielsweise Kleider oder Hosen nach Größen geordnet in Kartons gelagert. Braucht nun ein Besucher einer der Suppenküchen im Land eine neue Hose, dann wird diese angefordert. Und das ganze natürlich vermerkt. So kommen die Spenden punktgenau an. Und die junge Lagerleiterin hat nicht nur eine Anstellung, sie lernt auch einen nachvollziehbaren Bürobetrieb führen.
Ortswechsel. Nicht Themenwechsel. Sondern Themenerweiterung.

In Dubasarii Vechi steht ein moderner Bau. Systembauweise, aus Österreich. Gestiftet
vom Chef der großen Baufirma Strabag, Hans Peter Haselsteiner. Über die Suppenküche
hinaus wird hier das Angebot gehen. Immer mehr älteren Menschen fällt nämlich
buchstäblich das Dach über dem Kopf zusammen – sie haben kein Geld und auch keine
Kraft um zu sanieren. Die Jugend ist im Ausland, weit weg. Sie blieben alleine zu Hause
zurück. Betreutes Wohnen, das wird angeboten werden.
Im kleinen Ort werden 12 Personen Platz haben. Und neben der Suppe und wohliger Wärme auch menschliche Wärme bekommen. Solche kleinen Einheiten sollen innerhalb eines Jahres
noch 10 weitere verteilt über das ganze Land entstehen – kleine Einheiten, eingebettet, in die dörfliche Struktur.
| Alte Bäume soll man nicht verpflanzen, sagen sie. Ein Kurzbesuch bei einem älteren Ehepaar gleich nebenan zeigt eindringlich die Wohnsituation. Für uns unvorstellbar, wie hier Menschen wohnen müssen. Dass es in den Häusern kein fließendes Wasser gibt, ist noch das Geringste. Der Zustand der Wohnungen lässt schaudern. Aber wer soll es sanieren? Und womit? |
 |

Zurück nach Pirita in die ORAS ELUL COPILARIEI – die Stadt der Kinder. Welche Worte hier verwenden? Beeindruckend? Rührend? Faszinierend? Unglaublich? Eigentlich trifft alles zu. Beeindruckend, wie sauber und mustergültig Haus neben Haus steht, verbunden mit schönen gepflasterten Wegen, hell und freundlich mit allen Nebenobjekten, die so eine kleine Stadt braucht.

Eine kleine Krankenstation mit Krankenbetten und Zahnambulatorium, ein
Supermarkt für die Wohngemeinschaften, eine Sporthalle, eine Gärtnerei und natürlich eine kleine Kirche. Übrigens: die Sporthalle sei die größte im weiten Umkreis, sagt man nicht
ohne Stolz. 300 Kinder haben hier Platz. Hinter jedem steht ein Schicksal.
 |
Rührend, wie uns die Kinder empfangen. Mit einem Sprechchor und wie sich danach gleich einige der Kinder an mich drängen und meine Hand ergreifen und nicht mehr loslassen. Faszinierend, wie hier mit sanften Regeln ein Gemeinwesen aufgebaut und am Leben erhalten wird. |
| Die Aufgabenteilungen in den einzelnen Hausgemeinschaften, wo Kinder sehr früh in die Verantwortung geleitet werden sind Bausteine für das künftige Leben. Faszinierend auch zu erleben, mit welch freudig ausgeübter Disziplin beispielsweise das Mittagessen eingenommen wird. |
 |
 |
Faszinierend auch, wie jede Gruppe ein eigenes Budget hat und im Supermarkt mit eigenem Geld einkauft – von den Lebensmitteln die benötigt werden über Haushaltsbedarf bis zu Schulsachen und Kleidung. |
Und damit sehr früh eine Hinwendung
zu eigenständigem Denken und Handeln geschaffen wird.
Auch hier dasselbe System wie in den Suppenküchen: für die Betreuung in den Wohngemeinschaften werden Frauen aus dem benachbarten Dorf angestellt, kommen so zu einem Arbeitsplatz und somit zur Existenzsicherung für ihre Familien.
Unglaublich was wenige Menschen mit starkem Willen in einem Land, das nicht einfach
ist, erreicht haben.
Ein Projekt, das beeindruckt. Ein Projekt, das nachdenklich macht – nachdenklich, wie wir
manche Dinge aus einer sehr engen Perspektive sehen. Wie wir uns gegen Veränderungen wehren. Und hier – hier sind Veränderungen die einzige Chance. Und Dank P.Georg Sporschill haben viele eine.

Das Besondere an Pater Georg Sporschills Projekten
Not zu lindern, aber gleichzeitig in diesen notwendigen Strukturen Leute zu beschäftigen, die sonst keine Arbeit finden. Also auch ein Arbeitsprojekt. Und dabei den Menschen Eigenverantwortung geben, sie an Organisation und betriebswirtschaftliche Abläufe heranzuführen. Also auch ein Ausbildungsprojekt. Wenn das nicht nachhaltig ist. Gerade die wirtschaftlich bedrohlichen Zeiten bei uns müssen uns Verpflichtung sein, die Weiterführung von richtiger Entwicklungshilfe mit noch mehr Anstrengung durchzuführen. Vor allem, wenn man Beispiele dieser Art sieht, wo Hilfe direkt und mit Mehrfachnutzen ankommt. „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ – dieser Wahlspruch von P.Georg Sporschill sollte uns Auftrag sein.
aBgm Hans Kohler
Walgaustr. 25
A 6830 Rankweil
eMail: hans.kohler@cable.vol.at
Fotos: http://hanskohler.blogspot.com
|